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ARCHIV

VERSCHIEDENES - VORTRÄGE - REISEN - STELLUNGNAHMEN


VERSCHIEDENES


Buchpräsentation
Marian Offman: Mandelbaum

Lesung und Gespräch

Mittwoch, 30. November 2022, 19:00 Uhr
Haus der ;ulturen und Religionen München
Nazarethkirche München-Bogenhausen
Barbarossastr. 3

Marian Offman, geb. 1948 in München, war viele Jahre Stadtrat für die CSU und später für die SPD sowie Vorstandsmitglied und stellvertretender Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde. Er engagiert sich leidenschaftlich gegen Antisemitis­mus, Islamfeindlichkeit und andere Formen gruppenspezifischer Menschenfeind­lichkeit.
In seinem Roman „Mandelbaum“ hat er autobiographische Prägungen und Erfah­rungen als Jude in Deutschland, in München, nach der Schoa bis heute verarbeitet: Während sich der Lokalpolitiker Felix Mandelbaum in einer Gefängniszelle wiederfindet, flackern in seiner Erinnerung einzelne Phasen seines Lebens auf, über denen immer wieder die Frage aus dem Klappentext schwebt: „Kann eine deutsch-jüdische Existenz gelingen?“
Diese Frage ist für uns alle heute von hoher Relevanz! Im Anschluss an die Lesung wird Prof. Stefan Jakob Wimmer ihr im Gespräch mit Marian Offman weiter nachgehen.
Das Buch erscheint im Volk Verlag München 2022

Veranstalter: Nymphenburger Gespräche

Abrahams Fest: 20 Jahre Freunde Abrahams

Sonntag, 18. September 2022, 18.00 Uhr
Haus der Kulturen und Religionen München
Nazarethkirche München-Bogenhausen, Barbarossastr. 3 (Bus/U-Bahn Böhmerwaldplatz)

Nachdem im Herbst 2001 die vereinsrechtliche Gründung erfolgt war, konnte 2002 die offizielle Auftaktveranstaltung der Gesellschaft erfolgen. „20 Jahre Freunde Abrahams“ möchten wir mit Mitgliedern und Freunden feiern, mit Essen, Trinken, Begegnung und Musik, im Zeichen von Abrahams Gastfreundschaft, von Sarahs Lachen und von Hagars Zuversicht.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

Jesiden in München

Samstag, 23. Juli 2022, 19:00 Uhr, Nazarethkirche

Die alte orientalische Religionsgemeinschaft der Jesiden oder Eziden (wie sich selbst bevorzugt nennen) wurde bei uns als Opfer eines schrecklichen Genozids durch die Terrorgruppe Da’esh (sog. „I.S.“) bekannt. Geflüchtete kamen auch nach München, haben aber bis heute hier keine eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung.
Im Oktober 2021 konnte eine Gruppe der Freunde Abrahams im Norden des Irak das eindrucksvolle Hauptheiligtum Lalish (siehe Rückblick Kurdistanreise) besuchen und war, während eines Feier­tages, von der bunten Vielfalt des trubligen Lebens dort beeindruckt.
Um mehr über die Religionsgemeinschaft zu erfahren und um auch persönliche Kontakte zu knüpfen, laden wir, die Freunde Abrahams, Mitglieder der Ezidischen Gemeinde zum Kennenlernen zu einem Abendessen im „Haus der Religionen und Kulturen“ (Nazarethkirche) ein.
Bei unserem Tagesausflug nach Augsburg wollen wir das bisher einzige jesidische Bauwerk in Bayern besuchen: ein den Mausoleen im Irak nachgebildeter kleiner Spitzturm auf dem Augsburger Nordfriedhof.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

Drei Bauten in Bayern
TagesfahrtTagesausflug nach AUGSBURG

Sonntag, 3. Juli 2022, 8:30 bis 18:30 Uhr

Im Mittelpunkt unseres diesjährigen Tagesausflugs stehen drei Bauwerke: alle drei von religiöser Natur, aber unterschiedlicher Größe, zwei jüdisch und eines jesidisch, und jedes eine Besonderheit für sich.
Ein einmaliges Denkmal jüdischen Lebens in Deutschland ist die 1914-17 erbaute Synagoge von Augsburg. Der prächtige Jugendstilbau hat die Verwüstungen der Nazibarbarei überstanden und beherbergt heute auch das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben.
Wir besuchen die Synagoge mit Museum und fahren am Nachmittag in den ehema­ligen Vorort Kriegshaber. Nachdem Juden aus der Reichsstadt Augsburg vertrieben waren, blühte dort eine jüdische Gemeinde und stellte zeitweise sogar die Mehrheit der Bevölkerung. Hier besuchen wir die kleine Synagoge aus dem 18. Jahrhundert, die – ganz anders als die große Stadtsynagoge – einen Eindruck vom schwäbischen Landjudentum vermittelt.
Zum Abschluss sehen wir dann ein erst 2019 errichtetes und in ganz Bayern bisher noch einmaliges Bauwerk: das kleine Heiligtum der jesidischen Gemeinde, das sich auf dem Augsburger Nordfriedhof befindet. Zur jesidischen Religion beachten Sie bitte unseren Begegnungsnachmittag am 23. Juli (siehe „Jesiden in München“), der sich auch im An­schluss an diesen Teil des Tagesausflugs sehr empfiehlt!
Abfahrt: 8:30 Uhr (s. t.) am Prof.-Huber-Platz (vis-à-vis LMU-Hauptgebäude)
Teilnahmekosten: 40 € (bei Stornierung ab 3.6. Stornokosten: 20 €).
Es gelten die jeweils aktuellen Corona-Regeln (derzeit 2G+ und FFP2-Masken­pflicht). Herren benötigen in den Synagogen eine Kopfbedeckung, größere Ruck­säcke sind nicht erlaubt.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

Im friedlichen Kurdistan
Rückschau auf die Reise der Freunde Abrahams im Oktober 2021 durch die Autonome Region Kurdistan im Irak

Freitag, 13. Mai 2022, 18:30 bis ca.19:30 Uhr
Haus der Kulturinstitute, Großer Hörsaal,
Katharina-von-Bora-Str. 10 (nahe Königsplatz); Eintritt frei
ab 20:00 Uhr:
Kurdisches Restaurant Derya, Schillerstr. 34 (nahe Kreuzung Landwehrstraße)

Ohne Schwierigkeiten, was sowohl die Corona-Situation als auch die Sicherheits­lage vor Ort betrifft, konnten Freunde Abrahams im letzten Oktober die verschobene Reise nach Irakisch-Kurdistan durchführen. Wie versprochen, gibt es in der Tat viel zu erzählen aus der grandiosen Landschaft jenseits von Euphrat und Tigris – von modernen und alten Städten, von jüdischer und biblischer Vergangenheit, von spek­takulären assyrischen Bauresten und Reliefs, vom lebendigen Hauptheiligtum der Jesiden, von den Tücken und Lücken moderner Politik und vieles andere mehr.
Der Abend besteht aus einem informativen Austausch mit Bildern im „Haus der Kulturinstitute“ und einem anschließenden gemeinsamen Abendessen im irakisch-kurdischen Restaurant Derya.
Angesprochen sind alle Interessent*innen – die Mitgefahrenen und die, die gern mitge­fah­ren wären oder die einfach etwas über diesen Teil Kurdistans erfahren möchten.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

Abraham und Buddha in Allach
Ein Tagesausflug der Freunde Abrahams nach und zu Hause

Sonntag, 5. Juli 2020, 10 bis ca. 16 Uhr
Bei sehr schlechtem Wetter findet der Ausflug eine Woche später statt, am Sonntag, 12. Juli 2020.
Wegen Corona leider abgesagt.
Neuer Termin:
Sonntag, 11. Juli 2021

Nachdem unsere Tagesausflüge nach Niederbayern und in die Oberpfalz, nach Franken und Schwaben sowie nach Salzburg geführt haben, bleiben wir dieses Jahr sozusagen zuhause – und wollen doch (für viele) terra incognita entdecken! Drei Stationen werden wir verbinden:
In freiem Gelände nahe dem Langwieder und Luß-See hat der Münchner Künstler Sebastian Weiss aus Schrottteilen eine Eisenkapelle geschmiedet. Im Münchner Westen ist sie längst eine Sehenswürdig­keit und ein beliebtes Ausflugs­ziel, darü­ber hinaus aber kaum bekannt. Sie ahmt die Architektur einer christlichen Kirche nach, integriert aber auch Symbo­le ande­rer Religionen, wie z. B. Halb­mond, Menora und eine Buddhafigur. Das inof­fiziell als „Tipi-Platz“ bekannte Gelände hat darüber hinaus einen richtigen buddhi­stischen Stupa zu bieten, natürlich Tipis und diverse weitere Überraschun­gen (Foto: Eisenkapelle; SJW).
Nach einer Mittagspause in der Gast­stätte Schießstätte an der Würm be­su­chen wir das nahe gelegene Atelier von Nikos W. Dettmer, dem Präsidenten der „Münchener Künstler­genossen­schaft kgl. priv. 1868“. Der Künstler zeigt uns in seinem Anwesen einige seiner Werke, zu denen unter vielen anderen auch die Medaille gehört, die 2018 als Manfred-Görg-Preis verlie­hen wurde, sowie die darauf abgebildete Skulptur „Das Gespräch“.
Zum Abschluss ist ein Besuch in der Karl-Gayer-Straße 14 vorgesehen – eine Adresse, die auf allen Veröffentlichungen der Freunde Abrahams steht: Die Ver­eins­adresse ist zugleich das Zuhause unse­res 1. Vorsitzenden. Er und seine Kinder laden uns zu einem kleinen Umtrunk ein.
Teilnahmekosten: 10 € (vor Ort zu entrichten)
Treffpunkt: S-Bahnhof Allach, Ausgang Ostseite(!), Krauss-Maffei-Straße, 10.00 Uhr (die S2 Richtung Petershausen fährt ab Ostbahnhof 9.21, Marienplatz 9.26, Haupt­bahnhof 9.30, Laim 9.37. Ankunft Allach: 9.44).

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

Leben am Toten Meer - und Leben in Chemnitz

Busausflug am 21./22. März 2020

wegen Corona leider abgesagt

Chemnitz (vorübergehend Karl-Marx-Stadt) in Sachsen verfügt über ein ausgezeich­netes, modernes Museum für Archäologie. Dort wird derzeit eine große Sonder­ausstellung über das Tote Meer präsentiert – die an sich schon Grund genug wäre, der Stadt einen Besuch abzustatten.
Am jordanischen Ufer des Toten Meeres hat Stefan Wimmer (damals noch Student in Jerusalem) vor 30 Jahren an der Ausgrabung einer Badeanlage des Königs Herodes mitgewirkt. Die damalige Grabung wird in der Ausstellung unter vielem anderen thematisiert. (Siehe dazu den Vortrag „König Herodes am Toten Meer“, oben Seite 6, der zugleich zur Vorbereitung dienen kann.) Neben der Archäologie werden auch die Geologie, der Naturraum, die Religionsgeschichte und die Lebens­bedingungen in dieser extrem außergewöhnlichen Region der Erde behandelt.
Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz wurde 2014 im 1930 erbauten ehemaligen Kaufhaus der jüdischen Familie Schocken eingerichtet. Die Familie brachte Zeitungsverleger hervor, deren Namen bis heute u. a. mit der israelischen Tageszeitung Haaretz verbunden sind.
Hinzu kommen freilich Zusammenhänge, die jüngst mit Chemnitz verknüpft werden – rechtsradikale Vorkommnisse, die das Image der Stadt aktuell in Beschlag genom­men haben. Auch darüber wollen wir uns vor Ort informieren, wie auch über die komplexe modernere Geschichte der Stadt.
Für die Busfahrt haben wir als Mittagspause eine thematisch passende Station vorgesehen und werden im Dorf Mödlareuth an der ehemaligen „Zonengrenze“ an die deutsche Teilung erinnert.

Näheres hier.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

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Libanon: ein kleines Land mit großer Botschaft
Ein Abend mit Bildern und Eindrücken und Stoff zum Nachdenken

Donnerstag, 13. Februar 2020, 18:00 Uhr
Haus der Kulturinstitute, Großer Hörsaal
Katharina-von-Bora-Str. 10

Die Freunde Abrahams bereisten im April 2019 den Libanon und erlebten ein faszinierendes Land: Wir versuchten, das bunte Gewebe aus maronitischen und anderen Christen, Sunniten, Schiiten und Drusen zu verstehen, die gemeinsam Libanesen sind. Gespräche und Begegnungen dazu gab es mit VertreterInnen von Kultur und Politik, mit dem Patriarchen und dem Groß­mufti, und ohne es selbst so recht fassen zu können, wurden wir von Staatspräsident Michel Aoun in seinem Palast empfangen.
Wir wurden konfrontiert mit der leidvollen jüngsten Geschichte und Gegen­wart im Südlibanon, und wir sahen frühlingsblühende Berge und Täler und eindrucksvollste archäologische Stätten, wie die atemberaubenden Tempel von Baalbek.
Wir übernachteten in einem abgeschiedenen Kloster, wir besuchten den Propheten Hiob, befassten uns mit Zedern, Isis und Osiris und natürlich den Phöniziern, und wir lernten viel von den Mitgliedern des „Global Forum for Religions and Humanity“, der einheimischen Institution, die sich im Libanon um interreligiösen Dialog bemüht.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

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Ägypten und Altes Testament

Symposium zum 40. Jubiläum der Buchreihe ÄGYPTEN UND ALTES TESTAMENT (ÄAT)

6./7. Dezember 2019

Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München
Gabelsbergerstr. 35

zum Programm

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München muslimisch?
Ein Rundgang durch das Herz unserer Stadt

Sonntag, 21. Juli 2019, 11 bis ca. 13 Uhr
Treffpunkt: MFI, Hotterstr. 16

Um die Gegenwart zu verstehen, muss man seine Geschichte Kennen. Muslimisches Leben in München hat Wurzeln, die viel länger zurückreichen, als meist bekannt ist. Wir unternehmen einen Stadtrundgang durch die vertraute Umgebung rund um das MFI und werden dabei ungewohnte Perspektiven einnehmen und neue Einsichten gewinnen.

Veranstalter: Münchner Forum für Islam

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Abraham und Buddha in Allach

Ein Tagesausflug der Freunde Abrahams
nach und zu Hause

Sonntag, 7. Juli 2019, 10 bis ca. 16 Uhr

Nachdem unsere Tagesausflüge nach Niederbayern und in die Oberpfalz, nach Franken und Schwaben sowie nach Salzburg geführt haben, bleiben wir dieses Jahr sozusagen zuhause – und wollen doch (für viele) terra incognita entdecken! Drei Stationen werden wir verbinden:

In freiem Gelände nahe dem Langwieder und Luß-See hat der Münchner Künstler Sebastian Weiss aus Schrottteilen eine Eisenkapelle geschmiedet. Im Münchner Westen ist sie längst eine Sehenswürdig­keit und ein beliebtes Ausflugs­ziel, darü­ber hinaus aber kaum bekannt. Sie ahmt die Architektur einer christlichen Kirche nach, integriert aber auch Symbo­le ande­rer Religionen, wie z. B. Halb­mond, Menora und eine Buddhafigur. Das inof­fiziell als „Tipi-Platz“ bekannte Gelände hat darüber hinaus einen richtigen buddhi­stischen Stupa zu bieten, natürlich Tipis und diverse weitere Überraschun­gen (Foto: Eisenkapelle; SJW).

Nach einer Mittagspause in der Gast­stätte Schießstätte an der Würm be­su­chen wir das nahe gelegene Atelier von Nikos W. Dettmer, dem Präsidenten der „Münchener Künstler­genossen­schaft kgl. priv. 1868“. Der Künstler zeigt uns in seinem Anwesen einige seiner Werke, zu denen unter vielen anderen auch die Medaille gehört, die 2018 als Manfred-Görg-Preis verlie­hen wurde, sowie die darauf abgebildete Skulptur „Das Gespräch“.

Zum Abschluss ist ein Besuch in der Karl-Gayer-Straße 14 vorgesehen – eine Adresse, die auf allen Veröffentlichungen der Freunde Abrahams steht: Die Ver­eins­adresse ist zugleich das Zuhause unse­res 1. Vorsitzenden. Er und seine Kinder laden uns zu einem kleinen Umtrunk ein.

Teilnahmekosten: 10 € (vor Ort zu entrichten)                      

Treffpunkt: S-Bahnhof Allach, Ausgang Ostseite(!), Krauss-Maffei-Straße, 10.00 Uhr (die S2 Richtung Petershausen fährt ab Ostbahnhof 9.21, Marienplatz 9.26, Haupt­bahnhof 9.30, Laim 9.37. Ankunft Allach: 9.44).

Der Ausflug musste wegen Regen abgesagt werden. Er wird voraussichtlich im Sommer 2020 erneut angeboten.

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"Kreis der Religionen"
auf dem Corso Leopold

Samstag/Sonntag, 25./26. Mai 2019
Leopoldstraße / Franz-Joseph-Straße

Wieder steht das große Straßenfest vor der Tür, das sich die ganze Leopoldstraße in München entlangzieht. In seiner Mitte der Kreis der Religionen, auf dem auch die Freunde Abrahams wieder vertreten sein werden, sowohl mit dem Stand, an dem wir Material auslegen und zu Gesprächen einladen, als auch mit einem Beitrag im gemeinsamen Bühnenprogramm (Brigitte Hutt liest aus ihren „Zwischen­geschich­ten“). Kommen Sie vorbei, oder noch besser: Melden Sie sich in der Geschäftsstelle (089/1588 1260 oder via info@freunde-abrahams.de), wenn Sie ein paar Stunden bei der Standbesetzung aushelfen möchte.

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"Frieden schaffen - eine Herausforderung"

Friedensgebet der Religionen im Rahmen der 17. Internationalen Münchner Friedenskonferenz

Sonntag, 17. Februar 2019, 11:30 Uhr
St. Anna im Lehel, Franziskussaal
, St.-Anna-Str. 19

mit Isi Hackländer (Baha'i), Sigrid Helwig (Buddhisten), Terry Swartzberg (Juden), Stefan Jakob Wimmer (Freunde Abrahams)

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Wir schreiben Ägyptisch!
Wie Hieroglyphen funktionieren und was aus ihnen geworden ist

Wochenendseminar mit Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer in Schloss Fürstenried mit Besuch des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München

Freitag 25. Januar 2019, 18:00 Uhr bis Samstag 26. Januar 2019, ca. 17:00 Uhr
Schloss Fürstenried, Forst-Kasten-Allee 103 in München

Wenn Menschen es mit etwas ganz Unleserlichem zu tun bekommen, sagen sie gerne „Das sind Hieroglyphen für mich“. Dabei ist die Schrift der alten Ägypter gar nicht so schwer zu verstehen. Hinter dem Vorhang des Geheimnisvollen lässt sich mit ihr sogar spielen. Und nicht nur das: Die Hieroglyphen sind eigentlich nicht ausgestorben. Sie leben fort und sind verbreiteter als je zuvor. Aus ihnen ist nämlich – über einige Umwege – das moderne Alphabet entstanden, in dem auch diese Zeilen gedruckt sind.

Die Teilnehmenden werden einfache Textpassagen entziffern und selbst schreiben lernen; beim Besuch des Ägyptischen Museums erleben wir, wie Schrift und Kunst ineinander überfließen.

Wir werden die Ästhetik und Funktionalität der ägyptischen Bilderschrift verstehen lernen und dabei tief in eine Gedankenwelt und Weltsicht eintauchen, die über vier Jahrtausende lang eine Hochkultur getragen und auch uns heute noch eine Menge zu sagen hat. Und wir werden sehen, wie aus einer Kuh ein A und aus einem jubeln­den Menschen ein E werden konnte.

Veranstalter: Bildungszentrum Freising der Erzdiözese München und Freising

Anmeldung und nähere Information über www.bildungszentrum-freising.de, Tel. 08161/181-2120

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"Dass wir alle Kinder Abrahams sind ..."!

Helmut Schmidt begegnet Anwar as-Sadat. Ein Religionsgespräch auf dem Nil

Prof. Dr. Dr. Karl-Josef Kuschel (Tübingen)  liest aus seinem eben erschienen Buch über die Nilreise der beiden Politiker im Jahr 1977

Freitag 11. Januar 2019, 19:00 Uhr
Münchner Forum für Islam, Hotterstr. 14, 80331 München
7 €

Moderation: Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Veranstalter: Evangelische Stadtakademie in Kooperation mit Freunde Abrahams e.V. und Münchner Forum für Islam

Näheres hier

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Religion, Politik und Alltag in christlich oder muslimisch geprägten Gesellschaften

Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer (Freunde Abrahams) und VertreterInnen der Muslime, der Politik und der Medien

Dienstag, 4. Dezember 2018, 19:00 Uhr
Volkshochschule Deggendorf
(Eintritt frei)

Es hat sich viel verändert in den letzten Jahren: die Stimmung in der Gesellschaft ist gereizter, unsere islamischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erleben Ablehnung im Alltag, die Ihnen in dieser Form seit ihrer Ankunft in Deutschland als „Gastarbeiter“ unbekannt war. Was ist zu tun, um in unserer Gesellschaft mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Gruppen im Einklang leben zu können? Wieviel gegen­seitige Rücksichtnahme und Anpassung ist sinnvoll und erforderlich?

In einer Gesprächsrunde aus Vertretern der Religionen Christentum und Islam, der Politik und des gesellschaftlichen Lebens wollen wir einen interreligiösen Dialog führen und diesen Fragen nachgehen.

Veranstalter: VHS Deggendorfer Land in Zusammenarbeit mit der Pfarrei St. Martin, der evangelischen Kirchengemeinde, dem Migrationsbeauftragten der Stadt Deg­gen­dorf und der türkisch-islamischen Gemeinde DITIB Deggendorf.

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Interreligiöser Dialog - Christentum & Islam

Vortrag und Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer (Freunde Abrahams), Torsten Bader (Pfarrer in Aschheim und Feldkirchen), Ahmad Popal (Imam in München)

Freitag, 28. September 2018, 18:00 Uhr (Einlass)
Jugendzentrum, Hauptstr. 35, 85551 Kirchheim bei München
(Eintritt frei)

Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen Christentum und Islam? Wie passt dies zur aktuellen politischen und medialen Debatte? Was können wir daraus für das Zusammenleben der Menschen beider Religionen in Deutschland lernen? Und ist Religion überhaupt noch zeitgemäß?

Diese und viele weitere Fragestellungen werden in einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion thematisiert. Es gibt auch ausreichend Zeit für Ihre Fragen und Kommentare!

Veranstalter: Gemeinde Kirchheim bei München

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Wie ägyptisch ist das Christentum?
Die religionsgeschichtlichen Wurzeln von Morgen- und Abendland

Wochenendtagung mit Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

7.-9. September 2018
Schloss Hirschberg (92339 Beilngries), Tagungshaus der Diözese Eichstätt

Das pharaonische Ägypten reichte nicht nur zeitweise politisch nach Süden (Nubien) und Nordosten (Vorderasien) über seine eigentlichen Grenzen hinaus, es strahlte auch kulturell sehr stark ins alte Kanaan aus, nach Syro-Palästina, in einer Zeit, in der dort die Schriften des Alten Testaments Gestalt annahmen. Auf ihnen basieren die des Neuen Testaments, und so ist es weder ein Zufall noch ein Wunder, dass uns in Judentum, Christentum und dann durchaus auch im Islam altägyptische Inhalte und Motive begegnen. Das reicht über den bekannten Geburtsmythos vom göttlichen Kind weit hinaus ...

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ERAN SHAKINE

A Muslim, a Christian and a Jew. Knocking on Heaven’s Door

Zur Ausstellung im Jüdischen Museum München 21.2. bis 21.10.2018

Das Jüdische Museum München zeigt vom 21. Februar 2018 an Zeich­nungen des israelischen Künstlers Eran Shakine (geb. 1962). Sie sind witzig und philosophisch zugleich: Denn die drei Vertreter der Religionen, die man äußerlich nicht unterscheiden kann, stehen vor gemeinsamen Fragen existen­tieller, philosophischer oder religiöser Art. Shakine bringt etwas in den inter­religiösen Dialog zurück, was wir in jüngster Zeit verloren zu haben scheinen: Humor.

Von seinen Zeichnungen lassen wir uns an zwei Abenden zu jüdisch-christlich-muslimischen Gesprächen inspirieren. Vor der Veranstaltung gibt es jeweils die Gelegenheit zu einer Führung durch die Ausstellung.

Ort ist jeweils das Jüdische Museum München, St.-Jakobsplatz 16. Eintritt frei.

Mittwoch, 6. Juni 2018, 19.00 Uhr

Entscheidung für kritisches Denken:
A Muslim, a Christian and a Jew. Deciding to Live on Critical Thinking and Hope

Praxis, Praxis, Praxis:
A Muslim, a Christian and a Jew. Know You Have to: Practise, Practise, Practise

Jehoschua Chmiel (IKG), Eva Haller (EJKA), Dr. Andres Renz (Erzb. Ordinariat), Gönül Yerli (MFI)

Mittwoch, 13. Juni 2018, 19.00 Uhr

Sich auserwählt fühlen:
A Muslim, a Christian and a Jew. Feeling Chosen

Buddha treffen:
A Muslim, a Christian and a Jew. Meeting Buddha

Anita Kaminski (IKG), Rabbiner Tom Kucera (Beth Shalom), Erkan Inan (MFI), Prof. Dr. Stefan J. Wimmer (Freunde Abrahams)

Eine Veranstaltung des Jüdischen Museums München in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Stadtakademie München, Europäische Janusz-Korczak-Akademie, Freunde Abrahams, Fachbereich Dialog der Religionen der Erzdiözese München und Freising, Liberale Jüdische Gemeinde Beth Shalom, Münchner Forum für Islam.

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CORSO LEOPOLD - Münchner Straßenfestival mit "Kreis der Religionen"

Am Sa. 5. Mai, 16.00-20.00 Uhr, und So. 6. Mai, 11.00-20.00 Uhr, finden Sie mich am Stand der FREUNDE ABRAHAMS im "Kreis der Religionen", inmitten des Streetlife Festivals Corso Leopold, an der Ecke Leopold-/Franz-Joseph-Straße.

Ich freue mich auf Wiedersehen oder Kennenlernen!


VORTRÄGE


König Herodes am Toten Meer
Biblische Archäologie in Jordanien

Vortrag mit Bildern von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Mittwoch, 25. März 2020, 19:30 Uhr
wegen Corona verschoben -

neuer Termin:
Mittwoch, 3. Februar 2021, 19:30 Uhr
wegen Corona erneut verschoben -

neuer Termin:
Donnerstag, 10. Februar 2022, 20:00 Uhr
wegen Corona erneut verschoben -

neuer Termin:
Donnerstag, 20. April 2023, 19:30 Uhr

Michaelskirche
Kirchenstr. 10
83098 Brannenburg-Degerndorf

Am jordanischen Ufer des Toten Meeres entspringen heiße Thermalquellen, die man schon im Altertum zu nutzen wusste. König Herodes I. ließ sich in dem damals Kallirrhoe ("Schönbrunn") genannten Areal eine palastartige Villa für den Kurbadebetrieb errichten. Vor 30 Jahren grub das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes die herodianischen Anlagen aus. Zum Jubiläum ruft Prof. Stefan Jakob Wimmer, der damals leitend beteiligt war, die Ergebnisse aus der Zeit Jesu in Erinnerung und berichtet von der archäologischen Arbeit am tiefsten Punkt der Erde, von Beduinen und Bauern, von üppiger Vegetation bei extremer Trockenheit in einer damals noch fast unberührten Region.

Veranstalter: Freunde Abrahams, Christuskirche, Pfarrei St. Theresia, Evangelisches Bildungswerk, Münchner Bildungswerk
Wiederholung: Ev. Kirchengde. Brannenburg, Orden der Theresianischen Karmeliten, Pfarrverband Brannenburg-Flintsbach, Pfarrverband Oberes Inntal, Bildungswerk Rosenheim, Ev. Bildungswerk Rosenheim-Ebersberg, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München-Regensburg, Freunde Abrahams.

Ein Land - viele Narrative
75 Jahre Staat Israel: kein Land wie jedes andere

Vortrag von Prof.  Dr. Stefan Jakob Wimmer
Mittwoch, 25. Januar 2023, 19:00 Uhr
Pfarrsaal von St. Ludwig, Ludwigstr. 22

Am 29.11.1947 beschlossen die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas, und ein halbes Jahr später wurde der Staat Israel proklamiert. Sieben von 75 Jahren war Stefan J. Wimmer selbst ein Teil des ebenso bunten und kostbaren wie schwierigen und konflikt­reichen gesellschaftlichen Spektrums seiner Menschen. Wenn in Deutsch­land die Politik Israels verteidigt oder kritisiert wird, dann reden wir beinahe zwangsläufig an den Erfahrungen und Wahrheiten der meisten dieser Menschen vorbei. Da sind säkulare und religiöse Jüdinnen und Juden, die politisch rechts oder links sein können, muslimische und christliche Palästinenser*innen, die gleichzeitig arabische Israelis sein können, westliche, orientalische, osteuropäische, afrikanische und viele andere Kulturen. Der Reichtum und das Potenzial des Landes lägen darin, neue und andere Sichtweisen wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Stattdessen wird vor Ort und bei uns der Konflikt dadurch befeuert, dass nur immer die enge, eigene „Wahrheit“ für alle gelten soll.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

Manfred-Görg-Gedenkvorlesung:
„Wie ägyptisch ist das Christentum?“

Samstag, 17. September 2022, 18.00 Uhr (c.t.)
Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, Gabelsbergerstr. 35

In der Welt des Alten Orients war Ägypten mehrere Jahrtausende lang über das Niltal hinaus dominant und voller Strahlkraft. In diesem Licht und Schatten hat sich die Religion Israels formiert und konturiert, und in der Folge hat das auch im Christentum Spuren hinterlassen, die wir wieder neu lesen können und sollten.
Prof. DDr. Manfred Görg (1938-2012) hat als Alttestamentler und Ägyptologe auf diesem Gebiet Wegweisendes geleistet. Daraus schöpft Stefan Jakob Wimmer, mit dem zusammen Manfred Görg vor 20 Jahren die Gesellschaft Freunde Abrahams gegründet hat, in der 1. Manfred-Görg-Gedenkvorlesung, die an dessen 10. Todestag stattfindet.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

Can there be "Hate Speech" in Holy Scriptures?
14th Doha Interfaith Dialogue Conference:
"Religions and Hate Speech - Practices and Scriptures"

Doha, Qatar
March 3-4, 2020
wegen Corona verschoben auf:

May 24-25, 2022

Religions such as Islam, Christianity, Judaism and others as well all face the challenge of so called fundamentalists who distort the foundations of religion. Yet, very often these ill guided minds invoke their respective Holy Sciptures (the Qur’an or the Old and New Testaments of the Bible) and other religious sources (such as the Sunna, or sayings by Martin Luther or the Church Fathers, or the Jewish Talmud) to justify their ways of thinking and acting. How is it possible that the sources of our religions contain passages that can be abused in such a way? Indeed it seems that on a superficial reading we do find confrontation, hatred against others, violence and a lot of warfare purportedly “in the name of God“. And yet we do believe God is speaking to us in these texts. We cannot change and we cannot eliminate phrases from the Holy Scriptures that may appear offensive, but we should not skip or silence them either. How then are we to deal with them?
These are difficult questions for honest believers. But we cannot sincerely confront extremists, as long as we do not candidly address them among ourselves, with courage and faith.

Presented by: Doha International Center for Interfaith Dialogue

Ben-Anat und seine Freunde
Ein ägyptisches Ostrakon aus Lachish/Israel

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
Mittwoch, 11. Mai 2022, 16:30 Uhr
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Hollandstr. 11-13, 1020 Wien

Die ägyptische Provinzverwaltung im Kanaan der Spätbronzezeit hat besonders im 13. Jahrhundert vC administrative Texte in hieratischer Schrift hinterlassen. Der Fund einer beschrifteten Tonscherbe aus Lachish durch die Austrian-Israeli Renewed Excavations mit einheimischen und ägyptischen Personennamen, die schon ins späte 15. oder frühe 14. Jahrhundert datiert wird, wirft Fragen nach der frühen Einfluss­nahme Ägyptens auf die Schriftlichkeitskultur in Südkanaan auf. Damit verknüpft ist der Prozess der Herausbildung der Alphabetschrift, und Lachish erweist sich hier als einer der derzeit spannendsten Fundorte der Levante.
Der Vortrag ist in Präsenz geplant, wird möglicherweise zusätzlich gestreamt. Anmeldemodalitäten bei der ÖAW: www.oeaw.ac.at

Das Münchner Hebräische Palimpsest:
ältestes hebräisches Buch Europas?


Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer (BSB) und Sarah Lemaire (LMU)

Mittwoch, 24. November 2021, 18:30
Bayerische Staatsbibliothek
Friedrich-von-Gärtner-Saal (1. OG)
Ludwigstr. 16
(Konnte leider wegen Corona nicht stattfinden)

In Bucheinbänden der ehemaligen Freisinger Dombibliothek wurden zwei Pergamentblätter wiederverwendet, die ursprünglich zu einer hebräisch beschrifteten Buchrolle gehört haben. Sie wurden im 8. Jahrhundert mit lateinischen Texten übeerschrieben und sind schwer lesbar.
Sarah Lemaire beschäftigt sich als Doktorandin am Lehrstuhl für Judaistik (Institut für den Nahen und Mittleren Osten) der Ludwig-Maximilians-Universität mit einer Neuedition der religiös lyrischen Texte (piyutim). die wohl noch im 7. Jahrhundert in Süditalien entstanden sind. Damit gehören die Fragmente zum ältesten uns bekannten hebräischen Buch aus Europa.
Prof. Stefan Jakob Wimmer, Fachreferent für Hebraica an der Bayerischen Staatsbibliothek, informiert über den Stand der aktuellen Forschung, mit der ein internationales Expertenteam befasst ist.
Eine Veranstaltung im Rahmen des Festjahres 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland, #2021JLID.
Anmeldung erbeten unter veranstaltungen@bsb-muenchen.de, 089 / 28638-2115

Veranstalter: Bayerische Staatsbibliothek
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Die dialogische Sprache mit dem Judentum im Koran

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Donnerstag, 22. Juli 2021, 19:30

Münchner Forum für Islam
Hotterstr. 16

Mit "Höre!" beginnt das Grundgebet des Judentums, mit "Sprich!" die Sure Al-Ikhlas, die Grundaussagen des Korans in wenigen Worten zusammenfasst. Es sind aber gerade nicht (scheinbare) Gegensätze, die sich auftun, wenn man die Sprache des Korans neben der Tora erklingen lässt.
Dabei soll es hier weniger um gemeinsame erzählerische Inhalte gehen, die schon häufig aufgezeigt wurden. Es geht auch nicht darum, wie die Israeliten im Koran dargestellt werden.
Liest man Textquellen des Judentums mit dem Koran zusammen, dann entsteht ein Dialog, der nicht Konfrontation und Abgrenzung im Sinn hat, sondern von einer Nähe zueinander kündet, die tiefer reicht als wohl den meisten muslimischen und jüdischen und anderen Menschen bewusst ist. Sich darauf einzulassen, kann zum Gewinn für alle werden!
Wird als Präsenz- oder Hybridverandtaltung geplant. Anmeldung unbedingt erforderlich bei  MFI: info@islam-muenchen.de, Tel. 089/21269366.

Veranstalter: Münchner Forum für Islam (MFI) in Kooperation mit Freunde Abrahams e.V., Münchner Lehrhaus der Religionen, Haus der Kulturen und Religionen in München.
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Die altägyptischen Wurzeln der abrahamitischen Religionen

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Mittwoch, 15. Juli 2020, 18:00
Münchner Volkshochschule
Einsteinstr. 28
wegen Corona verschoben -
neuer Termin:
Mittwoch, 23. Juni 2021, 20:00 Uhr

In der Welt des Alten Orients war mehrere Jahrtausende lang die Religion Ägyptens dominant und voller Strahlkraft, und das hat natürlich Spuren hinter­lassen in den so genannten abrahamitischen Religionen, die alle dort entstanden. Das Judentum ist in Auseinandersetzung mit Ägypten entstanden, das Christentum bewahrt davon noch vieles, und auch im Islam klingt manches noch nach. Dabei werden wir die Frage „Was wissen wir darüber?“ unterscheiden müssen von der Frage „Was bedeutet das für unseren Glauben?“

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.
in Kooperation mit Münchner Volkshochschule
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Im Anfang war Ägypten - Wie aus den Hieroglyphen unsere Alphabetschriften wurden

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 27. April 2021, 18:00

Der Vortrag konnte nur online per Livestreaming stattfinden und kann über die Website des Münchner Lehrhauses der Religionen abgerufen werden:
https://muenchner-lehrhaus.de/event/2-im-anfang-war-aegypten-wie-aus-den-hieroglyphen-unsere-alphabet-schriften-entstanden/

Veranstalter: Münchner Lehrhaus der Religionen
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Die Erfindung des Alphabets

Seminar von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
im Rahmen des Studiengangs "Ideen Visionen Utopien", Seniorenstudium des Dachauer Forums

2./3./4. Dezember 2020, 9:30-12:00 Uhr

wegen Corona verschoben -
neuer Termin:
16./17./19. Februar 2021, 9:3012:00 Uhr

Die Teilnahme ist nur im Rahmen des Seniorenstudiums des Dachauer Forums möglich - Informationen über www.dachauer-forum.de, Tel. 08131/99688-0

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Die Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem, Massada und der Bar-Kochba-Aufstand

Seminar von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
im Rahmen des Studiengangs "Historische Ereignisse", Seniorenstudium des Dachauer Forums

Freitag, 23. Oktober 2020, 9:30-12:00 Uhr

Die Teilnahme ist nur im Rahmen des Seniorenstudiums des Dachauer Forums möglich - Informationen über www.dachauer-forum.de, Tel. 08131/99688-0          

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Wer ist Adam?

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
im Begleitprogramm zur Ausstellung "ADAM, WO BIST DU?"

Donnerstag, 30. April 2020, 18:15
Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München
Gabelsbergerstr. 35
wegen Corona verschoben -
neuer Termin:
Donnerstag, 29. Oktober 2020, 18:15 Uhr

An wen richtet sich die biblische Anrede Gottes "Adam, wo bist du?“ Ist Adam im 1. Buch Mose als Ur-Individuum konzipiert, oder sind es Inhalte von aktueller Relevanz, die die Genesiserzählung von Adam und Eva in mythologische Sprache kleidet? Wie geht der Koran damit um? Und warum kommt die Religion Ägyptens ohne ein erstes Menschenpaar aus? Wer Fragen nach dem ersten Menschen nachspürt, muss sich auch einem tatsächlichen oder vermeintlichen Gegensatz zwischen Heiliger Schrift und Evolutionslehre stellen.
Veranstalter: Staatliches Museum Ägyptischer Kunst
in Kooperation mit Freunde Abrahams e.V.

Der Vortrag hat stattgefunden und kann über den YouTube-Kanal des SMÄK abgerufen werden:
https://www.youtube.com/watch?v=iQHrJy8Tr1M

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Hebräisch ist Aramäisch

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
im Begleitprogramm zur Ausstellung "ADAM, WO BIST DU?"

Donnerstag, 10. September 2020, 18:15
Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München
Gabelsbergerstr. 35

wegen Corona verschoben -
neuer Termin:
Donnerstag, 26. November 2020, 14:00 Uhr

Bevor Arabisch diese Rolle übernahm, war Aramäisch tausend Jahre lang die beherrschende Sprache des Vorderen Orients. In enigen Sprachinseln in Syrien, Irak, in der Osttürkei, aber auch in Israel wird es noch gesprochen und bleibt in der Liturgie orientalischer Kirchen konserviert. Aber auch für das Judentum ist Aramäisch, als gesprochene Sprache in der Zeit des Zweiten Tempels und als dominantes Medium des Talmud von bleibend hoher Relevanz. Die hebräische Sprache wird genau genommen heute in aramäischer Schrift geschrieben, wiewohl wir die Schrift als "hebräisch" wahrnehmen. Und ihre Wurzeln hat auch diese Schrift in den ägyptischen Hieroglyphen. Identitäten waren eben schon immer fließend, nicht nur im Orient.
Veranstalter: Staatliches Museum Ägyptischer Kunst
in Kooperation mit Freunde Abrahams e.V.

Der Vortrag hat stattgefunden und kann über den YouTube-Kanal des SMÄK abgerufen werden:
https://www.youtube.com/watch?v=v6ser-9qAGc&feature=youtu.be

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Hass und Hetze in Heiligen Schriften ?

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Mittwoch, 14. Oktober 2020, 19:30 Uhr
Münchner Forum für Islam (MFI), Hotterstr. 16

In einer Zeit, in der Hass und Hetze unverhohlen zuzunehmen scheinen, nehmen auch religiöse Fundamentalisten bisweilen Bezug auf ihre jeweiligen Heiligen Schriften um Konfrontation gegen andere zu rechtfertigen. Und in der Tat lassen sich in den Schriften des Alten und des Neuen Testaments, des Korans, aber auch im Talmud, in den Schriften der Kirchenväter oder Martin Luthers und in Aussagen des Propheten Mohammed Inhalte finden, die verstören.
Wie können wir mit solchen Texten umgehen, auch dann, wenn wir als Gläubige in Bibel oder Koran das Wort Gottes erkennen, das wir nicht verkürzen, zensieren oder verändern können? Anstatt sie stillschweigend auszublenden, sollten wir uns mit diesen Stellen befassen.
Veranstalter: Domberg-Akademie – Stiftung Erwachsenenbildung der
Erzdiözese München und Freising, in Kooperation mit dem Münchner Forum für Islam und den Freunden Abrahams

Der Vortrag hat stattgefunden und kann über die Facebook-Seite des MFI abgerufen werden:
https://ms-my.facebook.com/islammuenchen/videos/hass-und-hetze-in-heiligen-schriftenprof-dr-stefan-jakob-wimmer/388157635905814/?__so__=permalink&__rv__=related_videos
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Heilige Schrift(en) und Archäologie

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 2. April 2020, 19:30 Uhr
Wolf-Ferrari-Haus, Ratssaal
Rathausplatz 2, 85521 Ottobrunn

wegen Corona abgesagt

„Und die Bibel hat doch recht!“, behauptet ein viel beachteter Buchtitel (Werner Keller). Wie war das wirklich mit den Mauern von Jericho? Hat der Auszug aus Ägypten so stattgefunden, wie ihn die Bibel, aber auch der Koran schildern? Wie geht der Koran eigentlich mit der Geschichte Israels um?

Die sogenannte „Biblische Archäologie“ hat sich schon lange von dem Anspruch gelöst, das Geschichtsbild der Bibel verifizieren zu wollen. Welche Übereinstimmungen gibt es dennoch, und wie sind die Divergenzen zu bewerten? Was ergibt sich aus dem Befund der Archäologie für das Verständnis von Hebräischer Bibel, Neuem Testament und Koran?

Veranstalter: Deutsch-Islamischer Kulturkreis Ottobrunn (DIKO) e.V. und vhs SüdOst

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Die Religionen des Mittelmeerraums

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
im Rahmen des Seminars ZEITENWENDE, Seniorenstudium des Dachauer Forums

Donnerstag, 27. Februar 2020, 17:00

Die Teilnahme ist nur im Rahmen des Seniorenstudiums des Dachauer Forums möglich - Informationen über www.dachauer-forum.de, Tel. 08131/99688-0

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Die altägyptischen Wurzeln der abrahamitischen Religionen

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
im Rahmen der "Brucker Zeitgespräche"

Mittwoch, 29. Januar 2020, 20:00 Uhr
Fürstenfeldbruck

In der Welt des Alten Orients war mehrere Jahrtausende lang die Religion Ägyptens dominant und voller Strahlkraft, und das hat natürlich Spuren hinter­lassen in den so genannten abrahamitischen Religionen, die alle dort entstanden. Das Judentum ist in Auseinandersetzung mit Ägypten entstanden, das Christentum bewahrt davon noch vieles, und auch im Islam klingt manches noch nach. Dabei werden wir die Frage „Was wissen wir darüber?“ unterscheiden müssen von der Frage „Was bedeutet das für unseren Glauben?“

Veranstalter: Evangelisch-Lutherische Gemeinden der Erlöserkirche und Gnadenkirche in Fürstenfeldbruck

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König Herodes am Toten Meer
Biblische Archäologie in Jordanien

Vortrag mit Bildern von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 21. Januar 2020, 19:30 Uhr
Gemeindesaal der Christuskirche
Dom-Pedro-Platz 5, 80637 München

Am jordanischen Ufer des Toten Meeres entspringen heiße Thermalquellen, die man schon im Altertum zu nutzen wusste. König Herodes I. ließ sich in dem damals Kallirrhoe ("Schönbrunn") genannten Areal eine palastartige Villa für den Kurbadebetrieb errichten. Vor 30 Jahren grub das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes die herodianischen Anlagen aus. Zum Jubiläum ruft Prof. Stefan Jakob Wimmer, der damals leitend beteiligt war, die Ergebnisse aus der Zeit Jesu in Erinnerung und berichtet von der archäologischen Arbeit am tiefsten Punkt der Erde, von Beduinen und Bauern, von üppiger Vegetation bei extremer Trockenheit in einer damals noch fast unberührten Region. 

Veranstalter: Freunde Abrahams, Christuskirche, Pfarrei St. Theresia, Evangelisches Bildungswerk, Münchner Bildungswerk

Wiederholung: Pfarrverband Brannenburg-Flintsbach, Ev. Kirchengde. Brannenburg, Bildungswerk Rosenheim, Ev. Bildungswerk Rosenheim-Ebersberg

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10-jährige Jubiläumsfeier
Deutsch-Islamischer Kulturkreis Ottobrunn e.V.:

10 Jahre DIKO  -  8 Jahrhunderte Vorgeschichte der Muslime in Bayern

Festvortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Sonntag, 20. Oktober 2019, 15:00 Uhr
Wolf-Ferrari-Haus
Rathausplatz 1
85521 Ottobrunn

Veranstalter: DIKO e.V.

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In der Reihe
RELIGION UND HEIMAT:

Jerusalem

mit Rabbiner Steven Langnas, Marion Haass-Pennings, Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 23. Juli 2019, 18:30 Uhr
Ludwig-Maximilians-Universität
Gebäude Schellingstr. 12 (Historicum), Raum K 327

Ob Jerusalem, Rom oder Mekka – sind die drei monotheistischen Religionen unbedingt mit einem Stück Land verbunden? Wie sehr prägt Heimat die Religion? Wie weit kann man die Religion ausüben, wenn man nicht in der Heimat ist? Kann in der Diaspora Religion einen Ersatz für Heimat darstellen? Diese Fragen und noch viel mehr wollen wir in diesem Semester ergründen.

Veranstalter: Münchner Lehrhaus der Religionen

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Die altägyptischen Wurzeln der abrahamitischen Religionen

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
im Rahmen der Reihe "Religion und Philosophie"
des Seniorenstudiums der LMU

Donnerstag, 11. Juli 2019, 16:00 c.t. Uhr
Ludwig-Maximilians-Universität
Gebäude Theresienstr. 41, Hörsaal C 123

In der Welt des Alten Orients war mehrere Jahrtausende lang die Religion Ägyptens dominant und voller Strahlkraft, und das hat natürlich Spuren hinter­lassen in den so genannten abrahamitischen Religionen, die alle dort entstanden. Das Judentum ist in Auseinandersetzung mit Ägypten entstanden, das Christentum bewahrt davon noch vieles, und auch im Islam klingt manches noch nach. Dabei werden wir die Frage „Was wissen wir darüber?“ unterscheiden müssen von der Frage „Was bedeutet das für unseren Glauben?“

Veranstalter: Seniorenstudium der LMU

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Die altägyptischen Wurzeln der abrahamitischen Religionen

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Mittwoch, 26. Juni 2019, 20:00 Uhr
Pfarrei Heilige Familie, Pfarrsaal
Bienenkorb 2, Harlaching, 81547 München

In der Welt des Alten Orients war mehrere Jahrtausende lang die Religion Ägyptens dominant und voller Strahlkraft, und das hat natürlich Spuren hinter­lassen in den so genannten abrahamitischen Religionen, die alle dort entstanden. Das Judentum ist in Auseinandersetzung mit Ägypten entstanden, das Christentum bewahrt davon noch vieles, und auch im Islam klingt manches noch nach. Dabei werden wir die Frage „Was wissen wir darüber?“ unterscheiden müssen von der Frage „Was bedeutet das für unseren Glauben?“

Veranstalter: Pfarrei Heilige Familie, München-Harlaching

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Heilige Schrift(en) und Archäologie

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 2. April 2019, 19:00 Uhr
Gemeindehaus Christuskirche
Dom-Pedro-Platz 5, 80637 München

„Und die Bibel hat doch recht!“, behauptet ein viel beachteter Buchtitel (Werner Keller). Wie war das wirklich mit den Mauern von Jericho? Hat der Auszug aus Ägypten so stattgefunden, wie ihn die Bibel, aber auch der Koran schildern? Wie geht der Koran eigentlich mit der Geschichte Israels um?

Die sogenannte „Biblische Archäologie“ hat sich schon lange von dem Anspruch gelöst, das Geschichtsbild der Bibel verifizieren zu wollen. Welche Übereinstimmungen gibt es dennoch, und wie sind die Divergenzen zu bewerten? Was ergibt sich aus dem Befund der Archäologie für das Verständnis von Hebräischer Bibel, Neuem Testament und Koran?

Veranstalter: Ev.-Luth. Christuskirche und Pfarrei St. Theresia in Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk München e.V. und dem Münchner Bildungswerk

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Altägyptische Gottesvorstellungen und ihr Nachleben in den abrahamitischen Religionen

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 27. November 2018, 19:00 Uhr
Pfarrsaal St. Paul, St.-Paulsplatz 8, 80336 München
5,- € / erm. 3,- €

Religionen leben nicht für sich allein - und das war schon immer so. In der Welt des Alten Orients war mehrere Jahrtausende lang die Religion Ägyptens dominant und voller Strahlkraft - und das hat natürlich Spuren hinterlassen in den sog. abrahamitischen Religionen, die alle dort entstanden. Das Judentum ist in Auseinandersetzung mit Ägypten entstanden, das Christentum bewahrt davon noch vieles und auch im Islam klingt manches noch nach.
Dabei werden wir die Frage "Was wissen wir darüber?" unterscheiden müssen von der Frage "Was bedeutet das für unseren Glauben?"

Veranstalter: Fachbereich Dialog der Religionen, Erzbischöfliches Ordinariat München und Freising
und Religions for Peace Gruppe München.

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Heilige Schrift(en) und Archäologie

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Montag, 12. November 2018, 19:30 Uhr
Karmeliterkloster Reisach, Klosterweg 20, 83080 Oberaudorf
(Eintritt frei)

„Und die Bibel hat doch recht!“, behauptet ein viel beachteter Buchtitel (Werner Keller). Wie war das wirklich mit den Mauern von Jericho? Hat der Auszug aus Ägypten so stattgefunden, wie ihn die Bibel, aber auch der Koran schildern? Wie geht der Koran eigentlich mit der Geschichte Israels um?

Die sogenannte „Biblische Archäologie“ hat sich schon lange von dem Anspruch gelöst, das Geschichtsbild der Bibel verifizieren zu wollen. Welche Übereinstim­mun­gen gibt es dennoch, und wie sind die Divergenzen zu bewerten? Was ergibt sich aus dem Befund der Archäologie für das Verständnis von Hebräischer Bibel, Neuem Testament und Koran?

Veranstalter: Karmelitenkloster Reisach, Pfarrverband Brannenburg-Flintsbach, Bildungswerk Rosenheim e. V. und Evangelisches Bildungswerk Rosenheim-Ebersberg e. V.

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München und der Orient

Bebilderter Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 23. Oktober 2018, 15:00 Uhr
Hans-Sieber-Haus, Manzostr. 105, 80997 München
(Eintritt frei)

Veranstalter: Münchenstift GmbH

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Die Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem, Massada und der Bar-Kochba-Aufstand: Der Beginn der jüdischen Diaspora 70-135 n.Chr.

Seminar von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer
im Rahmen des Studiengangs "Ereignisse", Seniorenstudium des Dachauer Forums

26./27./28. September 2018, 9:30-12:00 Uhr

Die Teilnahme ist nur im Rahmen des Seniorenstudiums des Dachauer Forums möglich - Informationen über www.dachauer-forum.de, Tel. 08131/99688-0

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Die Tegernseer Haggadah:
jüdisch. - christlich? -einzigartig!

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer im Rahmen der "46. Tegernseer Woche - Brauchtum und Kultur im Tegernseeer Tal"

Montag, 24. September 2018, 19:30 Uhr
Kath. Pfarrzentrum Quirinal, Seestr. 23, 83684 Tegernsee
Teilnahmegebühr: 10 €

Seit sie aus dem Benediktinerkloster Tegernsee an die Bayerische Staatsbibliothek kam, gehört die spätmittelalterliche Handschrift mit der Signatur Cod.hebr. 200 wegen ihrer prächtigen Ausstattung zu den Kostbarkeiten ihrer Hebraica-Sammlung. Erst jüngst legen die Ergebnisse jahrelanger Forschung mehrerer Wissenschaftlerin­nen und Wissenschaftler aus den USA, Israel und Deutschland aber nahe, dass atypische Illuminationen aus offenbar christlicher Hand die Textsammlung zum jüdischen Pessachfest antijüdisch umdeuten und das jüdische Sedermahl auf die Eucharistie hin interpretieren.

Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer, Fachreferent für Hebraica an der Bayerischen Staatsbibliothek, stellt die einzigartige Handschrift vor und versucht eine Einordnung der aufsehenerregenden neuen Erkenntnisse.

Veranstalter: Stadt Tegernsee
Informationen zum Kartenverkauf über die Touristeninformation Tegernsee: 08022/9273862

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Post von Elias Levita
Ein fränkisch-jüdisches Gelehrtenleben im Europa der Renaissance anhand neu entdeckter Briefe in der Bayerischen Staatsbibliothek

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 15. Mai 2018, 18.30 Uhr
Bayerische Staatsbibliothek, Gärtnersaal (1. OG), Ludwigstr. 16
Eintritt frei

Aus Neustadt an der Aisch stammt einer der berühmtesten jüdischen Humanisten, der den Großteil seines Lebens in Italien wirkte: Elijahu ha-Levi Aschkenasi (ca. 1470-1549), latinisiert Elias Levita, lebte in Rom im Haushalt des Kardinals Viterbo, wirkte in Venedig, einem Zentrum des hebräischen Buchdrucks, gründete in Isny im Allgäu mit dem Reformator Paul Fagius zusammen die erste hebräische Druckerei Deutschlands. Zwei Briefe aus seiner Hand sind jüngst in den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek identifiziert worden und geben Anlass, das Leben des Elias Levita und seine Zeit neu zu beleuchten.

Anmeldung erbeten unter veranstaltungen@bsb-muenchen.de oder Tel. 089/28638-2115.


REISEN


Durchs friedliche KURDISTAN
Die Autonome Region Kurdistan im Nord-Irak

3.-10. Oktober 2020:  die vollständige Ausschreibung finden Sie hier!
!! wegen Corona um 1 Jahr verschoben - neuer Termin (geplant):  2.-9.10.2021 !!

Mit der nächsten Reise kehren wir zum gewohnten Zeitrahmen Anfang Oktober zurück – und nähern uns der Urheimat Abrahams! Während der größere Teil des Irak bis heute noch nicht wieder problemlos für Touristen zugänglich ist, herrschen in der Kurdischen Autonomie­region im Nordosten des Landes schon seit Jahren friedliche, stabile und wirt­schaftlich wie kulturell ermutigende Verhältnisse. Selbst das Wüten von „Da’esh“ (dem so genannten „I.S.“) konnte von der Region fernge­hal­ten werden; Kurdistan hat dafür aus den benachbarten Regionen zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen.
Die Agentur Al-Sharq (Berlin) mit jahrelanger Erfahrung in der Durchführung von Gruppenreisen nach Irakisch Kurdistan organisiert für uns das Reiseprogramm. Höhe­punkte werden sein: die historisch eindrucksvolle Hauptstadt Erbil, die pulsierende Metropole Sulaimaniyeh, das Hauptheiligtum der Jesiden in Lalesh, orientalisch-christliche Kirchen, jüdisches Erbe, archäologische Stätten (Reich von Mitanni), der Tigrisstaudamm sowie zahlreiche Begegnungen und Gespräche zur aktuellen Entwicklung Kurdistans, zur Situation der Frauen, der Minderheiten, und zur humanitären Situation der jesidischen und anderer Flüchtlinge.
Über die Reisen von Al-Sharq wurde unter anderem in der Süddeutschen Zeitung berichtet. Und besonders verweisen möchten wir auf den Bericht unseres verstor­benen Kuratoriumsmitglieds Rupert Neudeck: „Der einzige Staat mit Ko­existenz für alle Religionen ist noch keiner. Impressionen und Erfahrungen aus dem nord­irakischen Kurdistan“, in der ABRAHAMS POST Frühjahr/Sommer 2015.

Veranstalter: Freunde Abrahams e.V.

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ÄGYPTEN  - Studienreise mit Luxus-Segler auf dem Nil

2.-12. Oktober 2018:  die vollständige Ausschreibung finden Sie hier!
5.-15. März 2019:  die vollständige Ausschreibung finden Sie hier!
7.-17. April 2020:  die vollständige Ausschreibung finden Sie hier! - musste wegen Corona leider verschoben werden bis:
15.-25. Februar 2022:  die vollständige Ausscshreibung finden Sie hier!

An Bord einer Dahabeya, eines ebenso nostalgischen wie liebevoll nachgebauten Luxusseglers, lässt sich das Niltal zwischen Luxor und Assuan auf wundervollste Art erleben. Das Schiff wird exklusiv für unsere kleine Gruppe gechartert. Vorbei an idyllischen Uferlandschaften segelt uns die Crew zu kleinen Flussinseln und zu ab­seits gelegenen antiken Ruinenstätten, die von großen Kreuz­fahrtschiffen nicht an­ge­laufen werden können. Lesungen, Vorträge und Gespräche an Deck machen die Fahrt zu einem authentischen und atmo­sphä­rischen Erlebnis in unvergesslichem Ambiente.

Natürlich besuchen wir auch die bedeutenden Sehenswürdigkeiten in Kairo – mit den Pyramiden und dem Ägyptischen Museum, in Luxor – mit dem Tal der Könige und den Tempelanlagen von Karnak und in Assuan – mit der Insel Philä und dem modernen Hochstaudamm, und vieles andere mehr. Die Reise bietet ein intensives Programm, kompetente wissenschaftliche Begleitung, dazu aber auch Beschaulich­keit und Zeit, um die Informationen und Eindrücke auf uns wirken zu lassen.

Wir fliegen von München über Kairo nach Luxor, verbringen die ersten zwei Tage im Hotel Sofitel Pavillon, das zum legendären „Winter Palace“ direkt an der Nilcorniche gehört, direkt neben dem berühmten Luxor-Tempel. Dann segeln wir mit der Dahabeya „Nebyt“ in vier Tagen nach Assuan. Von dort aus fliegen wir nach Kairo, wo wir noch drei Tage von einem Hotel in der Nähe der Pyramiden aus die Stadt und ihre Sehens­würdigkeiten besu­chen, die zu den Höhe­punkten Ägyptens zählen.

Ihr Reiseleiter ist Ägyptologe an der LMU München und hat zahlreiche Reisen in Ägypten begleitet. Zu seinen Interessen gehören die Wur­zeln von Christentum, Juden­tum und auch Islam in der alt­ägyptischen Religionsgeschichte.

Das Land am Nil hat viel mehr mit unserer Wirk­lichkeit zu tun, als
Sie meinen! 

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LIBANON - Begegnungs- und Studienreise

24. April - 1. Mai 2019:  die vollständige Ausschreibung finden Sie hier!

VERANSTALTER: Freunde Abrahams e.V. (Die Teilnahme steht Nicht-Mitgliedern offen; Mitglieder werden ggf. bei übergroßer Nachfrage bevorzugt)

Das kleine Land an der Levanteküste ragt nicht nur landschaftlich heraus: hinter den Stränden steigen Berge mit biblischen Zedernwäldern über 3000 Meter hoch auf. Dazwischen weite und enge Täler, in denen sich die Vielfalt der Kulturen des Orients auf engstem Raum verdichtet.

Unser langjähriges Mitglied und Ehemann von Yvonne Baur-Saleh (2. Vorsitzende der Freunde Abrahams) Mohamad Saleh stammt aus dem Libanon und wird uns bei dieser Begegnungs- und Studienreise das bunte Gewebe aus Maroniten, Schiiten, Sunniten, Drusen, Armeniern und manch anderen, die zusammen die Identität des ebenso außergewöhn­lichen wie wunderschönen Landes ausmachen, authentisch und persön­lich nahebringen. Ein Schwerpunkt der Reise liegt auf Gesprächen und Begegnungen mit VertreterInnen der Zivilgesellschaft und der Politik. Prof. Wimmer wird das Vermächtnis von Phöniziern und Kanaanäern anhand der Quellen des Alten Orients und der Bibel vermitteln. Wir besuchen Städte mit klingenden Namen wie Beirut und Tripoli, Sidon und Tyrus, Byblos und Baalbek.

Wegen des langen Bürgerkriegs im Libanon (1975-1990) wird in unserem kollektiven Bewusstsein das Land bis heute mit Zerrüttung und Gewalt assoziiert. Längst zu Unrecht – denn der Krieg ist seit bald 30 Jahren überwunden. Die grauenhaften Ver­hält­nisse in Syrien wirken sich – von der Aufnahme sehr großer Zahlen von Flücht­lingen abgesehen – im Libanon nicht aus. Die Besucherzahlen nehmen nun auch wieder deutlich zu.

Libanon  -  Informations- und Vorbereitungsabend zur Reise

mit Mohamad Saleh und Stefan Jakob Wimmer

Dienstag, 18. September 2018, 19.00 Uhr
Restaurant „Cardamom“, Gabelsbergerstr. 50

Ein Abend über den Libanon und mit libanesischer Küche – der besten des Orients! – für Interessierte an der Reise, am Land an sich, oder eben an der Küche …

 


STELLUNGNAHMEN


Zeitenwenden

Wenige Minuten Beben haben genügt, um unzähligen Menschen in der Region, die schon seit Abrahams Zeiten alle Gemüter bewegt, das Leben zu zertrümmern. Individuelle Zeitenwenden von unvorstellbarer Gewalt! Währenddessen beschäftigt uns Gewalt, die nicht als Naturkatastrophe und auch nicht durch Viren über die Welt gebracht wird, sondern durch das Wirken von Menschen. Für sie hat Bundeskanzler Scholz das Wort des Jahres 2022 „Zeitenwende“ geprägt. Vor einem Jahr startete Putin seinen Versuch, Europa ins 20. und 19. Jahrhundert zurückzubomben und uns allen wieder die Logik der Waffen und den Wahnsinn des Rüstens aufzuzwingen. Aber auch andernorts finden Kriege statt, ohne dass wir ihnen unsere ganze Auf­merk­samkeit zuerkennen, wie zum Beispiel im Jemen. In Israel, wieder auch Heimat Abrahams, spielt sich währenddessen eine schleichende Zeitenwende ab, die wir, wie es scheint, einfach weiter hinnehmen – wie so vieles, was dort schon seit Langem geschieht.
Vom Wenden ist in einem Text die Rede, der als Gebet zum Jahrestag des Putin-Krieges verfasst wurde, aber weit darüber hinaus trifft (siehe auf S. 22-23 in voller Länge):
Wende die Herzen der Tyrannen und Unterdrücker zur Liebe,
Wende die Herzen der Verängstigten und Verstörten zur Freude,
Wende die Herzen der Gnadenlosen und Rücksichtslosen zum Mitleiden,
Wende die Herzen der Ungerechten und Unfairen zur Gerechtigkeit,
Wende die Herzen der Bekümmerten und der Unterdrückten zur Hoffnung.
Vertiefe unsere Fähigkeit, Verschiedenheit anzunehmen,
Vertiefe unseren Respekt vor allen Geschöpfen und der Schöpfung,
Vertiefe unsere Zuneigung zu allen Leidenden,
Vertiefe unser Engagement für Frieden und Gerechtigkeit.
Diese Zeitenwende, um die da Gott gebeten wird, ist auch unsere eigene Aufgabe. Sie müssen wir jetzt schaffen, gemeinsam. Sie bleibt alternativlos.

(Editorial der ABRAHAMS POST 42.2023)

Feste feiern!

Viel ist die Rede von Krisen in diesem Sommer. Putins anhaltender und sich hoffentlich nicht ausweitender Krieg im Osten Europas, Sorgen um die Energie­versorgung, dazu Hitzewellen und Trockenheit als Zeichen der globalen Klimakrise und – ach ja – immer noch Corona … Wie werden der Herbst und der Winter werden?
Und dennoch – oder gerade deshalb – war diesen Sommer endlich wieder das Leben in (beinahe) vollen Zügen zu spüren. Wer an heißen Tagen in München unterwegs war, mochte sich an das ewig junge Lied „Sommer in der Stadt“ von der Spyder-Murphy-Gang erinnern, und die vielen neuen Schanigärten haben das südländisch anmutende Flair der langen, warmen Abende verstärkt. Überall feiern Menschen wieder, viele reisen auch wieder, nehmen Kulturangebote wahr und erleben, wie wichtig das alles ist – gerade auch, um unsere Resilienz in Krisenzeiten zu „boostern“.
Auch wir Freunde Abrahams wollen wieder feiern, wie nun schon mehrmals ange­kündigt: unser 20-jähriges Bestehen (siehe Seite 4/5). Wir gedenken auch des 10. Todestages von Manfred Görg (gestorben 17.9.2012). Und beides tun wir gleich­zeitig. Die Religionen rufen dazu auf: für das Gute und für das Schwere da zu sein, sich einzulassen auf das, was uns anvertraut wird, und auf das, was uns abverlangt wird; Krisen ernst zu nehmen, mit Vernunft und Bedacht das Nötige zu tun oder zu lassen, um uns selbst und andere nicht zu gefährden und um Gottes Schöpfung zu bewahren – und voll Zuversicht Feste zu feiern, wenn wir feiern können.
„Resignation ist kein Bestandteil von Religion. Resignation ist das Gegenteil von Religion“, so stand es schon vor einem Jahr im Editorial der Abrahams Post.s zu verwirklichen!

(Editorial der ABRAHAMS POST 41.2022/23)

Meinung und Wahrheit – und die Religionen

Dass die Religionen vieles gemeinsam haben, gehört zu den Grundwahrheiten der Freunde Abrahams. (In manchem unterscheiden sie sich auch – das be­gründet den Reichtum ihrer Diversität und macht sie für uns interessant, ist aber gerade nicht das Thema.) Gemeinsam befürworten die Religionen zweifellos ein Leben im Einklang mit der Schöpfung, das heißt achtsamen Umgang mit der Natur, mit den Ressourcen, mit den Tieren und Pflanzen, mit uns selbst, unserem Körper und unserer Seele. Sie befürworten auch, was Menschen zum gegen­seitigen Nutzen und Segen schaffen und bewirken. Gemeinsam verurteilen sie das Streben einzelner nach Geld und Macht auf Kosten anderer.
Wir sollten nicht das Streben nach gerechten und gesunden Lebensbedingun­gen und das Gute, das die Errungenschaften der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hervorgebracht haben, gegeneinander ausspielen. Sondern bei beidem den Miss­brauch um des Kommerz‘ willen einerseits und um vernunftfeindlicher Meinungs- und Denk­verirrungen willen andererseits bekämpfen. Nicht, weil wir Naturheilkunde befür­worten, die moderne Medizin als solche verteufeln – genau­so wenig wie um­gekehrt! Die Coronakrise kann, sollte, ja muss ein Weckruf werden, damit wir uns auf Nachhaltigkeit besinnen, den Klimaschutz noch viel ent­schlos­sener angehen und uns dabei auf das, was Wissenschaft kann und zum Guten leistet, stützen. Mit anderen Worten konkret und akut: Gesundheit und Immunsystem auf natür­liche Weise stärken und uns natürlich impfen lassen – nicht entweder oder.
Die Religionen haben gemeinsam, dass die Gefährdung von unschuldigem Leben zum Schlimmsten gehört, wessen sich Menschen schuldig machen können. Wir alle können beitragen, was nötig ist, um Corona weltweit zu besiegen und um eine gerechtere Welt des Miteinanders zu verwirklichen!

(Editorial der ABRAHAMS POST 40.2022)
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„Mach dich auf!“  לֶךְ-לְךָ

„Lech lecha!“ – diese Anrede Gottes an Abraham in Gen 12,1, die oft ganz unzu­läng­lich übersetzt wird mit „Zieh weg (aus deinem Land…)“, enthält im Hebräischen einen energischen Nachdruck, etwa so, wie heutige Araber ihn mit dem auch bei uns in die Jugendsprache einsickernden „Yallah!“ verbinden würden: „Los, mach dich auf, und geh (…) in das Land, das ich dir zeigen werde!“
Etwas in der Art möchte man gern denen zurufen, die nach bald eineinhalb Jahren Corona in präventive Resignation versunken scheinen: Da doch gewiss eine vierte Welle bevorstünde, für Herbst und Winter lieber nichts planen, schon gar nicht Präsenzveranstaltungen. Lieber gar nicht mehr reisen und auf unbestimmte Zeit das worst case scenario voraussetzen. Abrahamisch gedacht ist das nicht. Resignation ist kein Bestandteil von Religion. Resignation ist das Gegenteil von Religion. So habe ich es einmal in den Blättern Abrahams formuliert (Heft 17, Seite 126). Mit Bedacht, aber auch mit Zuversicht, mit Vernunft (und mit Impfung!) das Leben wieder zulassen.
Zum Aufwachen und wieder Aufstehen aus der Lethargie gehört aber noch sehr viel mehr. Dass wir nämlich nicht einfach da weitermachen, wo wir im März 2020 stehengeblieben sind. Vielleicht hat uns der Schöpfer ein großes „Lech lecha!“ zugerufen (in der fem. Form an eine Frau gerichtet hieße es: „Lechi lach!“ ), damit wir uns endlich entschlossen aufmachen, um die Verirrungen unseres Umgangs mit der Natur, in der Tierhaltung und Fleischwirtschaft, in der Verleugnung der Klima­krise, auch in der sozial, wirtschaftlich und politisch ungerechten Weltordnung hinter uns zu lassen? Was müsste noch passieren, dass wir endlich losgehen? Jetzt!

(Editorial der ABRAHAMS POST 39.2021/22)
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Jerusalem Declaration on Antisemitism

Regelmäßig haben wir in der „Abrahams Post“ über den gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus berichtet und darüber, wie dieser Kampf durch den Miss­brauch des Antisemitismusbegriffs und -vorwurfs konterkariert wird. Dabei kommt einer im Jahr 2016 von der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) herausgegebenen „Arbeitsdefinition“ von Antisemitismus eine zentrale Rolle zu. Sie lässt in Interpretation und Auslegung Spielräume offen, die im Sinne politischer Interessen ausgenutzt werden können. Wir haben ausführlich davon berichtet, wie gerade in München in Folge eines Stadtratsbeschlusses von 2017 durch fehlgelei­tete Handhabung in der städtischen Praxis die Meinungsfreiheit beschränkt und Unrecht an Menschen verübt wird, die Anerkennung und Unterstützung verdienen würden anstatt Diffamierung und Stigmatisierung.
Eine Gruppe international renommierter Wissenschaftler*innen aus der Antisemitis­mus­forschung und damit zusammenhängenden relevanten Bereichen hat nun, unterstützt von zahlreichen Persönlichkeiten aus Europa, den USA und Israel, auf die Arbeitsdefinition der IHRA reagiert und im März 2021 eine erweiterte Definition von Antisemitismus veröffentlicht: „The Jerusalem Declaration on Antisemitism (JDA)“ („Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus“).
Anders als die IHRA-Definition legt die JDA nicht nur fest, welche Einstellungen antisemitisch sein können – was in entsprechend missbräuchlicher Auslegung dann aber nicht mehr hinterfragt wird –, sondern stellt darüber hinaus auch fest, was nicht antisemitisch ist. Damit bietet sie aus kompetenter Richtung Orientierung für die, die im Spannungsfeld zwischen Antisemitismusverdacht und legitimer Kritik an der Politik Israels irritiert sind und – wie sich leider zeigt – daher oft wichtige Stimmen delegitimieren und den tatsächlichen Kampf gegen Antisemitismus beschädigen.
So wird in der JDA unter den 10 Punkten, die als antisemitisch gelten (fünf davon beziehen sich auf den Israel-Palästina-Konflikt), festgestellt, dass es zum Beispiel antisemitisch ist, „die Symbole, Bilder und negativen Stereotypen des klassi­schen Antisemitismus auf den Staat Israel anzuwenden“, „Jüd:innen kollektiv für das Verhalten Israels verantwortlich zu machen oder sie, bloß weil sie jüdisch sind, als Agent:innen Israels zu behandeln“, „Jüd:innen im Staat Israel das Recht abzu­sprechen, kollektiv und individuell gemäß dem Gleichheitsgrundsatz zu leben.“ Unter den fünf Beispielen, „die nicht per se antisemitisch sind (unabhängig davon, ob man die Ansicht oder Handlung gutheißt oder nicht)“ wird unter anderem angeführt: „Unterstützung der palästinensischen Forderungen nach Gerechtigkeit und der vollen Gewährung ihrer politischen, nationalen, bürgerlichen und mensch­lichen Rechte, wie sie im Völkerrecht verankert sind“, „Faktenbasierte Kritik an Israel als Staat. (…) Es ist nicht per se antisemitisch, auf systematische rassistische Diskrimi­nie­rung hinzuweisen“, „Boykott, Desinvestition und Sanktionen sind gängige, gewalt­freie Formen des politischen Protests gegen Staaten. Im Falle Israels sind sie nicht per se antisemitisch.“
In dem der Erklärung angefügten, ausführlichen Kommentar in Fragen-und-Ant­worten-Form wird zur letztgenannten Leitlinie klargestellt, dass damit nicht gleich­zeitig die so genannte „BDS“-Kampagne unterstützt wird. „Die Unterzeichnenden haben unterschiedliche Ansichten zu BDS. Leitlinie 14 besagt nur, dass gegen Israel gerichtete Boykotte, Desinvestitionen und Sanktionen nicht per se antisemitisch sind.“ Für die Beurteilung, welche Maßnahmen von „BDS“ antisemitisch sind, haben dieselben Definitionen zu gelten, wie in anderen Fällen. (Siehe dazu auch unter „Gute Nachrichten“: „Im ‚Eine-Welt-Haus‘ darf auch über ‚BDS‘ gesprochen werden“, weiter unten.)
Die JDA ist in voller Länge in der englischsprachigen Originalversion und in deutscher Übersetzung verfügbar unter: https://jerusalemdeclaration.org
Die Freunde Abrahams begrüßen die „Jerusalem Declaration on Antisemitism“ als dringend gebotene, seriöse Klarstellung gegenüber der IHRA-Definition. Wir schließen uns ihr vollinhaltlich an und rufen Institutionen ebenso wie die Öffentlich­keit dazu auf, sie zu übernehmen, zu vertreten, zu verbreiten und zu unterstützen.

(aus: ABRAHAMS POST 39.2021/22)
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Weltoffenheit

Nein, es kam nicht so weit. Effi Eitam, ein israelischer Aktivist in der Siedlerbewegung und Politiker der früheren ultra-rechten National-Religiösen Partei, dessen Rhetorik und Verhalten gegen Arabern von weiten Teilen der israelischen Gesellschaft als extrem rassistisch eingestuft werden, wurde nun doch nicht zum neuen Vorsitzenden des Direktoriums von Yad Va-Shem ernannt. In und außerhalb Israels wurden zahl­reiche Stimmen laut, die den internationalen Ruf und das Selbstverständnis der Ge­denk- und Forschungsstätte zur Schoah in Frage gestellt sahen. Dass es zu der für den 1. Januar 2021 angekündigten Ernennung, für die sich Premierminister Netan­jahu persönlich eingesetzt hatte, nun doch nicht gekommen ist, ist bemerkens­wert.
Die Logik, die Befürworter der Personalie vorgebracht hatten, geht so: In der Schoah wurden Juden von Nazi-Deutschland und Unterstützern massenhaft ermordet, das Ziel war die Auslöschung jüdischer Menschen überhaupt. Arabische Positionen ge­gen­über Israel befürworten und betreiben einen gewaltsamen Kampf gegen jüdische Menschen in Israel, und häufig auch außerhalb Israels, ihr erklärtes Ziel ist die Auslöschung des Jüdischen Staates. Das eine wie das andere anzusprechen, ernst zu nehmen und heute die gegebenenfalls notwendigen Maßnahmen dagegen zu befürworten – ist per se weder rassistisch noch rechtsextrem. Das gilt unabhängig von der Frage, ob diese Darstellung einer objektiven Realität entspricht oder nicht. (Nach meiner Wahrnehmung trifft sie in der Tat weitgehend zu.) Und es gilt umso mehr, wenn diese Meinung nicht aus der sicheren Bequemlichkeit anderer Länder heraus geäußert wird, sondern aus der Lebenswirklichkeit derer, die damit ihre eigene Existenz dauerhaft in Frage gestellt sehen.
Das anzusprechen, ernst zu nehmen und die gegebenenfalls notwendigen Maß­nahmen dage­gen zu befürworten, kann aber in der Tat in rechtsextreme und sehr schnell auch in rassistische Einstellungen und Handlungsweisen gegen Araber und gegen Muslime münden. Beinahe zwangsläufig begünstigt es solche, schafft so genannte Resonanz­räume für entsprechende Stimmungsmache, und den von Rassismus tatsächlich Betroffenen wird es schwerfallen, die gebotene Differenzierung vorzunehmen. Und leider beschreibt auch das eine Lebenswirklichkeit in Israel. – Nach allem, was über Effi Eitam bekannt wurde, wäre seine Berufung zum Direktor von Yad Va-Shem verheerend für Yad Va-Shem und für einen aufrichtigen Kampf gegen Antisemitis­mus gewesen.
Womit wir zum Schauplatz Deutschland zurückkehren, wo diesem Kampf eine eigene Qualität zukommt. Wir haben in der Abrahams Post immer wieder die besorg­nis­erregende Entwicklung verfolgt, mit der sich Menschen in Deutschland seit einigen Jahren konfrontiert sehen, die diesen aufrichtigen Kampf gegen Antisemitis­mus hier glaubhaft verfechten. Ausgerechnet die moralische Verantwortung, der aufrichtige Wille und die tiefe Entschlossenheit vieler in Deutschland, jede Form von Antisemitismus zu bekämpfen, wird insbesondere in München aber auch in ganz Deutschland dafür instrumentalisiert, Kritik an der rechtsgerichteten und nach Meinung vieler jüdischer Menschen in und außerhalb Israels verhängnisvollen Politik Israels zu unterbinden, sowie das Unrecht, das anderen angetan wird, nicht angemessen zur Sprache zu bringen.
Wer sich für die berechtigten Belange auch der Palästinenser einsetzt, wer die Perspektive der arabischen Welt – möge sie einer objektiven Realität entsprechen oder nicht – zumindest in eine offene Debatte mit einbringen möchte, selbst dann, wenn er/sie diese selbst nicht vertritt – kann in der Tat bewusst oder unbewusst antisemitische Muster bedienen. Beinahe zwangsläufig begünstigt dies solche, schafft sogenannte Resonanzräume für entsprechende Stimmungsmache, und den von Antisemitismus tatsächlich Betroffenen wird es womöglich schwerfallen, die gebotene Differenzierung vorzunehmen. In der Tat gibt es Antisemiten, die diesen berechtigten Einsatz für sich instrumentalisieren. Gegen sie hat sich unser aller Kampf zu richten.
Sich für die berechtigten Belange auch der Palästinenser einzusetzen, die Perspektive der arabischen Welt – möge sie einer objektiven Realität entsprechen oder nicht – zumindest in eine offene Debatte mit einzubringen, und zwar unabhängig davon, ob man sie selbst vertritt oder nicht – ist aber nicht per se antisemitisch. Wer diese Differenzierung nicht vornimmt, läuft Gefahr, selbst bewusst oder unbewusst Unrecht zu verüben, und genau dies geschieht in erschreckendem Ausmaß! Das gilt gerade auch dort, wo ein erklärter Auftrag gegen Antisemitismus oder Rechtsextremismus vorzugehen vorliegt – und es bleibt unerträglich, dass solches Unrecht gerade von dort aus fortwährend verübt wird.
Es überrascht insofern nicht, dass sich die Stimmen immer weiter mehren, die sich dieser Entwicklung in Deutschland entgegensetzen. Die Initiative „GG 5.3 Welt­offen­heit“ von Repräsentant*innen öffentlicher Kultur- und Wissenschaftseinrichtun­gen zeigt auf, wie vor diesem Hintergrund die vom Grundgesetz (Art. 5, Abs. 3) garantierte Meinungsfreiheit in Kunst und Wissenschaft bedroht wird. Der volle Wortlaut ihres im Dezember 2020 veröffentlichten Plädoyers ist im Internet einsehbar.[1]
Sie bekennt sich unmissverständlich zum „gemeinsamen Kampf gegen Antisemitis­mus, Rassismus, Rechtsextremismus und jede Form von gewaltbereitem religiösen Fundamentalismus“. Und gerade deshalb fordert sie, dass die historische Verant­wortung Deutschlands nicht dazu führen darf, „andere historische Erfahrungen von Gewalt und Unterdrückung moralisch oder politisch pauschal zu delegitimieren.“ Sie bringt die Problematik, die doch eigentlich alle, die wirklich glaubwürdig gegen Antisemitismus ankämpfen wollen, miteinander verbinden müsste, auf den Punkt, wenn sie die missbräuchlichen Verwendungen des Antisemitismusvorwurfs anpran­gert, durch die „wichtige Stimmen beiseite gedrängt und kritische Positionen verzerrt dargestellt“ werden. Zum Arbeitskreis und den Unterzeichner*innen des Plädoyers gehören unter vielen anderen das Goethe-Institut, die Kulturstiftung des Bundes, das Einstein Forum Potsdam, das Moses Mendelssohn Zentrum für Europäisch-Jüdische Studien, das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, das Jüdische Museum Hohenems, der Deutsche Bühnenverein, das Deutsche Theater Berlin, das Staats­schauspiel Dresden, die Münchner Kammerspiele (als einzige Institution in München). Ich möchte mich für die Freunde Abrahams den zitierten Formulierungen anschließen, und schließe dabei natürlich auch die darin ebenfalls enthaltene Fest­stellung ein: „Da wir den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch für grund­legend halten, lehnen wir den Boykott Israels durch den BDS ab.“
Es überrascht sogleich leider kaum, dass auch diese Initiative umgehend als „antisemitisch“ diskreditiert wurde. So sieht der Antisemitismusbeauftragte des Landes Berlin darin einen Versuch, die Diskussion über antisemitische Positionen abzuwürgen. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum führt sie gar auf seiner Liste der zehn weltweit schlimmsten antisemitischen Vorfälle im Jahre 2020 (auf Platz sieben)![2]
Es überrascht aber erst recht nicht, dass die Stimmen gegen den Missbrauch des Antisemitismusvorwurfs besonders auch von zahlreichen jüdischen Menschen innerhalb und außerhalb Deutschlands immer lauter werden. Das Festjahr Jüdisches Leben in Deutschland, das wir 2021 aus Anlass der vor 1700 Jahren erfolgten ersten Erwähnung jüdischen Lebens auf dem Gebiet des heutigen Deutschland feiern, hat das erklärte Ziel, „jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen“ (https://2021jlid.de/). Wir sind gespannt, wie im überaus reichhaltigen Veranstaltungsprogramm auch diese Vielstimmigkeit abgebildet wird.
[1] z. B. hier:
https://www.humboldtforum.org/wp-content/uploads/2020/12/201210_PlaedoyerFuerWeltoffenheit.pdf
[2] Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Initiative_GG_5.3_Weltoffenheit#cite_note-9;
zuletzt aufgerufen: 29.1.2021)

(aus: ABRAHAMS POST 38.2021)
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"Abraham Accord" ?!
Zu den neuen Abkommen im Nahen Osten

Ich kann mich gut erinnern, als während meiner siebenjährigen Studienzeit in Jerusalem, genauer im Juli 1986, im israelischen Rundfunk aufgeregt die Eilmel­dung enthüllt wurde, dass sich Premierminister Shimon Peres in einem Flugzeug in Richtung Marokko befände. Das war durchaus sensationell, denn seit dem Ägypter Anwar al-Sadat (der dafür mit dem Leben bezahlte) war kein arabischer Staatschef bereit gewesen, öffentlich einen Regierungschef Israels zu empfangen. Der damalige König Hassan II. (gest. 1999) unternahm nun diesen Schritt. Zwei Ta­ge blieb die israelische Delegation in einem Palast nahe der Königsstadt Fes. Dort hatte die Arabische Liga einige Jahre zuvor, 1982, einen Plan vorgelegt, wonach der Uno-Sicherheitsrat „Frieden und Sicherheit aller Länder der Region garantieren“ solle – was implizit eine Anerkennung Israels eingeschlossen hätte, unter der Voraus­setzung, dass Israel sich „aus allen besetzten Gebieten“ zurückzöge und einen Palästinenserstaat unter Führung der PLO mit Jerusalem als Hauptstadt anerkennen würde.
Entsprechende Zugeständnisse brachte der Besuch in Fes von keiner Seite. Außer einem recht unverbindlich gehaltenen, gemeinsamen Communiqué wurde nichts vereinbart. Doch Marokkos Verhältnis zum Jüdischen Staat blieb vergleichsweise entspannt – jedenfalls vor dem Hintergrund der radikal kompromisslosen Ablehnung bis hin zur immer noch grassierenden Vernichtungsrhetorik anderer Staaten.
Auch der nach wie vor sehr vitalen jüdischen Minderheit in Marokko ging und geht es traditionell vergleichsweise gut. Umgekehrt fühlen sich viele aus Marokko stam­men­de Juden bzw. deren Nachkommen in Israel – sie bilden dort die größte Gruppe orientalischer Juden – ihrer „anderen“, früheren, Heimat oft weiterhin verbunden. Während das für die meisten anderen arabischen Länder nicht denkbar ist, ist es Israelis schon seit Jahrzehnten erlaubt, Marokko zu bereisen, wenn sie dort familiäre Wurzeln haben.
So ist eigentlich verwunderlich, dass Marokko nicht schon in der Folge der Abkom­men zur gegenseitigen Anerkennung, die Israel und die PLO 1993 in Oslo auf den Weg brachten, und die zumindest anfänglich Bewegung und Hoffnung in Richtung auf echten Frieden in Nahost brachten – auch wenn die der Gewalt der Unversöhn­lichen nicht lange standhielt – diplomatische Beziehungen mit Israel aufnahm. Allein Jordanien bzw. dessen Königshaus sprang damals auf den Zug auf, hat aber bis heute Mühe, diesen Schritt vor der eigenen Bevölkerung zu rechtfertigen. Warum also ausgerechnet jetzt, im Dezember 2020, in einer Zeit, in der Israel mit dem „Deal des Jahrhunderts“ zwischen Trump und Netanjahu die Palästinenser in geradezu historischer Weise demütigte (siehe „Donald löst den Nahostkonflikt“, Abrahams Post Frühjahr/Sommer 2020) und der israelische Premierminister seine Doktrin, wonach keine Zugeständnisse an die Palästinenser erforderlich seien, um arabische Staaten zum Einlenken zu bewegen, auch in Washington zur Staatsräson machen konnte? Es drängt sich freilich der Verdacht auf, dass das von weiten Teilen der Welt ersehnte bevorstehende Ende der Ära Trump dabei die entscheidende Rolle spielte. Der lieferte denn auch die Erklärung, als er bekannt gab – damals durfte er noch twittern – dass die USA ab sofort die seit 1975 von Marokko besetzte Westsahara als zu Marokko gehörig betrachten würde. Schließlich, so die ebenso schlichte wie trumpeske Begründung, habe Marokko ja schon 1777 die USA aner­kannt. Das also war der Deal: Wir anerkennen eure Besatzung, und ihr nehmt Israels Besatzung von Palästinensergebieten hin.
Vorausgegangen waren dem bekanntlich kurz zuvor zwei weitere Friedensab­kom­men: mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und mit dem kleinen Inselstaat Bahrain. Zwar hatten die Staaten nie Krieg gegeneinander geführt, doch kann Benjamin Netanjahu die Vereinbarungen zum Austausch diplomatischer, kultureller und – ganz besonders – wirtschaftlicher Beziehungen in der Tat als historischen Erfolg für sich verbuchen. Dass dabei ein Handelsabkommen im Umfang von mehreren Milliarden Dollar ausgerechnet den Namen „Abraham Fund“ erhielt, mag man geschmacklos finden. Es passt jedoch zur Denkweise und zur verdrehten und entstellenden Sprechweise der Trump-Ära, und es passt natürlich zu der Bezeich­nung, unter der die Abkommen in Washington vermarktet wurden: „Abraham Accord“, „die Abraham-Vereinbarung“!
Sie beinhalten Rüstungsversprechen der USA für die VAE, insbesondere von hoch­tech­nisierten F35-Kampfflugzeugen – die nun allerdings vom neuen US-Präsiden­ten Biden einer kritischen Prüfung unterzogen werden sollen. Solche Zusa­gen stellte die Trump-Regierung auch dem Königreich Saudi-Arabien in Aussicht, von dem Beobachter ebenfalls für möglich gehalten hatten, dass es eine offene Anerkennung Israels (de facto bestehen ja inzwischen keine schlechten Beziehungen) aussprechen würde. Womit ein zentrales, wenn nicht ein entscheidendes Glied in jener Achse angesprochen ist, um die es geht: um das „gemeinsame Interesse an einem Krieg mit Iran“ nämlich, wie Netanjahu im Februar 2019 wörtlich formuliert hatte. Entsprechend groß war die Sorge, dass es noch vor dem Ende der Amtszeit Trumps zu einem Militärschlag kommen könnte, und an entsprechenden Provokatio­nen fehlte es nicht. Dass es dazu nicht kam, mag womöglich nur dem chaotischen Getrampel des orientierungslosen Präsidenten in den letzten Wochen und Tagen seiner Amtszeit zu verdanken sein, deren Ende er nicht hinnehmen wollte. Ein solcher Gedanke stimmt nachdenklich, denn was dadurch womöglich ausgeblieben ist, hätte das Fanal zu einem neuen, verheerenden und umfassenden Krieg werden können – den am Ende gewiss niemand gewollt haben würde.
Was wohl Abraham von all diesen Machenschaften gehalten hätte? Nun, vielleicht hätte er darauf verwiesen, dass sich schon in der Zeit, als die Geschichten und Überlieferungen ihre Gestalt annahmen, die wir in der Hebräischen Bibel über ihn vorfinden, ein besonders enges Verhältnis zwischen Persien und dem sich formieren­den Judentum entfaltete. Das erneut von hoher Gewichtung war, als der sogenannte Babylonische Talmud im persischen Herrschaftsbereich abgefasst wurde. Dass in Israel heute eine große und bedeutende Gruppe von aus dem Iran stammenden Juden lebt, die sich oft kulturell weiterhin ihren Wurzeln verbunden fühlen. Und dass auch im heutigen Iran jüdische Gemeinden bestehen. Der Visionär Abraham würde vielleicht davon träumen, dass – ganz ähnlich wie in Marokko – auf diesen persön­lichen Verbundenheiten aufgebaut werden könnte und die politischen Irrwege endlich umschifft werden könnten … Was freilich voraussetzen würde, dass die Machthaber im Iran sich mehr um die legitimen Belange der eigenen Bevölkerung bemühen würden, anstatt die Aufmerksamkeit auf den Wahn von der Auslöschung eines Staates abzulenken, mit dessen Existenz das iranische Volk so wenig ein Problem hätte, wie andere auch, wenn für die betroffenen Palästinenser eine gerechte Friedenslösung verwirklicht werden würde … Viele Konjunktive.
Er, Abraham, war bereit, sich auf die Verheißung hin in eine ungewisse Zukunft aufzumachen. Das wäre im besten Sinne abrahamisch.

(aus: ABRAHAMS POST 38.2021)
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Normal ist das nicht.

Dass sich ganz plötzlich das Leben verändert, haben viele individuell schon erlebt. In Beirut hat es eine ganze Stadt mit einem wie surreal anmutenden Schlag kollektiv getroffen. Dass sich innerhalb kurzer Zeit das Leben global verändert, überall auf der Welt, ist in dieser Dimension neu. Auch deshalb fällt es uns vielleicht so schwer, Auswege aus der „Corona-Zeit“ zu beschreiben.
Wie auch immer die Pandemie verläuft, wie dramatisch die Opferzahlen sich bei unterschiedlichen Maßnahmen in verschiedenen Ländern entwickeln – die ins Bodenlose abgleitende Verelendung der Mittellosen in der so genannten Dritten Welt, die Vertiefung der Kluft zwischen relativ gut abgesicherten Systemen und blankem Ausgeliefertsein, die sozialen und psychischen Begleitschäden der Krise sind nicht zu leugnen. Kein Wunder, dass manche nicht wahrhaben wollen, was wahr ist. Wir müssen durchstehen, was die Notlage uns abverlangt – aber wir können nicht auf Dauer unseren Kindern pädagogische und soziale Fehlentwicklun­gen aufzwingen. Wir müssen wohl noch eine Weile unsere Gesichter verhüllen, Distanz als etwas Positives konnotieren und menschliche Nähe, Begegnung und Austausch einschränken – aber gewöhnen dürfen wir uns daran nicht. Das, was ein unverantwortlicher Sprachgebrauch als „neue Normalität“ festschreiben möchte, kann nie auf Dauer das Leben bestimmen.
Stattdessen könnten wir – parallel und genauso fieberhaft, wie wir dringend nach Medikamenten und Impfstoffen forschen – inzwischen daran arbeiten, wo und wie die Welt nach Corona, also hoffentlich schon bald, zu einer besseren gemacht werden müsste.

(Editorial der ABRAHAMS POST 37.2020/21)
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Donald löst den Nahostkonflikt

Was wie eine Satire klingt und in der Tat erschreckend ostentative Züge einer Politshow hatte, ist doch beängstigend ernst. Schon kurz nach seiner Wahl zum mäch­tig­sten Mann der Welt erklärte ein Präsident namens Donald mit gelben Haaren und Gehabe und Gerede, die man in einem Kindercomic nicht witzig fände, dass er, als politisches Genie und Deal Maker ohne Beispiel, die endgültige Lösung des Nahost­konflikts herbeiführen werde. Seitdem war Jared Kushner, von dem bisher nicht klar ist, welche Funktion er in der US-amerikanischen Regierung eigentlich innehat, damit beauftragt, die nötigen Details zu Papier zu bringen. Eine Qualifikation – außer der des Schwieger­sohns – hat er immerhin aufzuweisen: Seine Eltern sind seit langem enge Freunde der Netanyahus (laut New York Times erzählte der israelische Premier­minister freudig, dass er schon einmal in Jareds Kinderzimmer in New Jersey über­nachtet habe). Und Fleiß in der Sache ist dem stellvertretenden Genie nicht abzu­sprechen: Der am 28. Januar 2020 im Weißen Haus präsentierte Plan mit dem amt­lichen Titel „Peace to Prosperity: A Vision to Improve the Lives of the Palestinian and Israeli People“ umfasst 181 Seiten.
Wer die Show, bestehend aus je einer halbstündigen Rede des US-Präsidenten und des israelischen Ministerpräsidenten und dann als Schlussmusik „What a wonderful day“, in voller Länge verfolgt hat, hat verstanden, dass hier ein Deal zwischen diesen beiden Männern verkündet wurde, die sich mit Lob und Anerkennung gegenseitig überschüt­teten, und von denen der eine sich (noch) in einem Amtsenthebungs­verfahren befand und der andere am selben Tag wegen Betrugs, Untreue und Bestech­lichkeit im Amt angeklagt wurde. Im Wahlkampfmodus befanden sich beide, und ihre potentiellen Wähler und Unterstützer sehen in dem, was Israel und die USA ohne Beteiligung der betroffenen Palästinenser ausgehandelt haben, in der Tat den „Deal des Jahrhunderts“, als der der Trump-Plan schon seit zwei Jahren angekündigt worden war. Für die israelische Regierung ist er das auch – denn er verspricht die Anerkennung von Jahr­zehnte lang völkerrechtswidrig umgesetzten Tatsachen und das in einem Ausmaß, wie sich das kein noch so rechtsgerichteter israelischer Premier ohne Trump als Präsident je hätte erhoffen können. Weniger rechtsgerichtete Israelis – sie gibt es noch immer und wird es immer geben, wiewohl ihre Stimmen (vor allem außerhalb Israels) immer mehr zum Schweigen gebracht werden – verstehen den Plan als einen Anschlag nicht nur auf die Palästinenser, sondern vor allem auch auf sie selbst und auf alle, die auf­richtig Frieden in Nahost anstreben. Die niveauhöchste israelische Tageszeitung – so etwas wie in Deutschland SZ, FAZ und ZEIT in einem, wiewohl von der eigenen Regie­rung unter politischem Beschuss und von deren An­hän­gern gerne marginalisiert und diskreditiert – titelte am nächsten Tag: „Trump’s Plan is Ludicrous, Dangerous and Onesided“, „Trump’s Mideast Plan Is a Recipe for War, Not Peace“ und stellte fest, der Plan „was written with the clear intention of getting the Palestinians to reject it.“
Nachdem die damals von der PLO repräsentierten Palästinenser schon 1988 den Staat Israel anerkannt haben und mit den Oslo-Verträgen 1993 auf 77 Prozent ihres Landes verzichteten, hätten sie jetzt als möglicherweise „letzte Chance“ (Trump) die Wahl, den Plan bedingungslos zu akzeptieren. Dann, so Netanyahu wörtlich („wenn sie alle Bedingungen akzeptieren“), „wird Israel bereit sein, über Frieden zu verhan­deln.“ Den Palästinensern kommt im Netanyahu-Trump-Abkommen die Rolle der Eingeborenen zu, denen Glasperlen hingehalten werden. Von ihnen wird offenbar ganz kalkuliert erwartet, dass sie sich widersetzen – damit keine der ihnen scheinbar in Aussicht gestellten Zugeständnisse erfüllt zu werden brauchen, während Netanya­hus Wunschzettel Punkt für Punkt umgesetzt werden soll.
Die Arroganz der Macht manifestiert sich hier in so unverblümt menschenverach­tender Weise, dass man einen Wiedergänger des Kolonialismus des späten 19. Jahr­hunderts auf offener Bühne erlebt – und dazu den Applaus von Menschen, die anschei­nend kein Gespür mehr für die Würde und die grundlegenden Rechte „der anderen“ aufbringen. Das ist es, was uns alle erschrecken muss. Wir alle sind hier ange­sprochen. Denn diese Vorstellung in Washington war eine Schande für die zivili­sierte Welt. Dass sie möglich werden konnte, verweist auch auf das totale Versagen Europas in Nahost.
Natürlich wird das zu noch mehr Gewalt führen, zu noch mehr Bedrohung für den jüdischen Staat, dessen Überleben dadurch ganz gewiss nicht gesichert, sondern noch stärker gefährdet wird. Der 28. Januar 2020 könnte den letzten Nagel in den Sarg einer friedlichen Zukunft für Israelis und Palästinenser geschlagen haben. Diese Perspektive sollten vor allem auch jene an sich heranlassen, die demnächst vermut­lich auch Kritik am „Deal of the Century“ als „israelbezogenen Antisemitismus“ brand­marken wollen.
Dabei wissen alle, dass Frieden machbar ist. Der Oslo-Prozess der 1990er Jahre hat bewiesen, dass beide Seiten zu enormen Zugeständnissen bereit sein können, wenn die Richtigen regieren. Zerschlagen wurde dieser Prozess und seitdem die damit verbun­denen Hoffnungen auf echten Frieden von seinen Gegnern – zu denen sich damals schon Benjamin Netanyahu zählte –, vom islammissbrauchenden Terror der Hamas, der Netanyahu damals zum ersten Mal ins Amt des Ministerpräsidenten spülte, vom Mörder Jizchak Rabins u. v. a. Würde ein Plan von den betroffenen Parteien auf Augenhöhe, unter Achtung der gegenseitigen Rechte, des jeweiligen Vermächtnisses, der Perspektiven darauf, was in Zukunft möglich werden kann, ausgehandelt, unter Begleitung von Garanten, die beiden Seiten gleichermaßen nahe stehen, dann wären Kompromisse möglich, selbst wenn sie sich in manchen Teilen vielleicht nicht weit von dem unterscheiden müssten, was Jared Kushner auf seinen 181 Seiten schreibt. Der Weg dahin würde über die Anerkennung der Palästinen­sischen Autonomiebehörde als Regierung des Staates Palästina führen, als die sie sich selbst bezeichnet. Auch wenn das nur ein Etikett sein mag, das an den Verhältnissen vor Ort zunächst nichts ändert, so könnten dann formal zwei international anerkannte Staaten miteinander Verhandlungen aufnehmen. Wenn uns dieser Gedanke abwegig erscheint, mag das daran liegen, dass wir in Deutschland gar nicht wahrnehmen, dass der Staat Palästina als solcher bereits von 138 der 193 Mitgliedsstaaten der UNO, darunter immerhin 9 der 27 EU-Länder anerkannt wird, sowie vom Vatikan. Eine Bundestagsresolution zur Anerkennung des Staates Palästina wäre die gebotene Antwort auf den „Deal of the Century“ und ein entscheidender nächster Schritt.

(aus: ABRAHAMS POST 36.2020)
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Der Aufschrei der Anständigen

Bei einem Brandanschlag auf die Israelitische Kultusgemeinde in München werden sieben Menschen getötet! – Ähnlich unfassbar wie das Verbrechen selbst – das sich am 13. Februar zum 50. Mal jährte –, erscheint uns heute die Tatsache, dass es damals nicht nur nicht aufgeklärt, sondern auch aus dem Bewusstsein der Stadt weitgehend verdrängt wurde. Nur wer sich näher mit jüdischem Leben in München beschäftigt, befasste sich damit – bis der Kabarettist Christian Springer nun zum Jahrestag engagiert das überfällige Gedenken anmahnte. Der in seinem beabsichtigten Ausmaß gottlob gescheiterte Anschlag von Halle am 9. Oktober 2019 (Jom Kippur) hat in Erinnerung gerufen, dass es auch in Deutschland, trotz allem sogar in Deutschland, immer wieder Wahnsinnige gibt, die Menschenhass nicht nur verbreiten, sondern auch in Taten umzusetzen versuchen. Aber neu ist diese Erkenntnis nicht. Sie offenbart auch keine neue Dimension des Judenhasses, sondern – schlimmer! – macht sichtbar, was schon immer da war. Das gilt ähnlich auch für die widerlichen Erfolge der AfD, die in die Parlamente transportiert haben, was mehr oder weniger still gedacht wurde und wird. Der Coup der Unanständigen in Erfurt hat aber auch das gezeigt: dass ein sofortiger, lauter Aufschrei innerhalb und außerhalb der Parteien eben nicht hingenommen hat, was da eingefädelt worden war.
Die eindrucksvollen Demonstrationen z. B. am 10. Oktober und wieder am 24. Januar am St.-Jakobs-Platz, die breiten Bündnisse und die unzähligen Stimmen Einzelner im Alltag sind heute doch lauter und deutlicher als wohl je zuvor. Darin unterscheidet sich die Situation in unserer Zeit ganz essentiell von der vor 80 Jahren und immer noch ganz maßgeblich von der vor 50 Jahren. Wer das Engagement der gar nicht so schweigsamen Mehrheit kleinredet, ihren anhaltenden Aufschrei nicht anerkennt, gibt den Falschen scheinbar recht.

(Editorial der ABRAHAMS POST 36.2020)
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Sage nein!

Zu den antisemitischen Übergriffen in Berlin (am 26.7.) und München (am 3.8.) - und wann und wo auch immer

Wir werden es nicht ganz abstellen können, dass es dumme Menschen gibt, mit defektivem Selbstvertrauen, in der Seele vergiftet – dass es also auch Antisemiten gibt. Aber wir akzeptieren es nicht, dass sie unwider­sprochen auf unseren Straßen (oder wo auch immer) Menschen attackieren oder beleidigen. Konstantin Weckers Lied von 1993 ist unfassbar aktuell. Es sollte wieder viel häufiger gehört – und beachtet – werden (Auszüge):

Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
wieder Nazi-Lieder johlen,
Über Juden Witze machen,
über Menschenrechte lachen,
Wenn sie dann in lauten Tönen
saufend ihrer Dummheit frönen,
Denn am Deutschen hinterm Tresen
muss nun mal die Welt genesen,
Dann steh auf und misch dich ein:
Sage nein!

Und wenn sie in deiner Schule
plötzlich lästern über Schwule,
Schwarze Kinder spüren lassen,
wie sie andre Rassen hassen,
Lehrer, anstatt auszusterben,
Deutschland wieder braun verfärben,
Hab dann keine Angst zu schrei’n:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,
Bänker oder Müßiggänger,
Ob als Priester oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
Ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
Tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

(aus: ABRAHAMS POST 35.2019/20)

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"Um Gottes und des Lebens Willen: Kein Krieg mit Iran!"

Der Gründer der Freunde Abrahams Manfred Görg (1938-2012) überschrieb mit diesem besorgten Appell das Editorial der ABRAHAMS POST vom Sommer 2005. Er musste dabei auf einen „unbelehrbaren Präsidenten der USA“ verweisen – gemeint war George W. Bush – und auf die „zuvor geltend gemachten angeblichen Beweise für eine vom Irak ausgehende weltumspannende Gefahr“. Daraus folgte für ihn zwingend: „Wie vor dem Irak-Krieg erheben wir auch jetzt im Namen der Freunde Abrahams unsere Stimme gegen ein weiteres schreckliches Unheil, das mit dem drohenden Krieg gegen den Iran verbunden sein wird. (…) Der Kriege sind genug! Kein weiteres Abenteuer! Kein neuer Krieg!“

Der israelische Premierminister Netanyahu begründete seine Teilnahme an einer gemeinsamen Konferenz mit Vertretern mehrerer arabischer Staaten vor einigen Mo­na­ten wörtlich damit, „um das gemeinsame Interesse an einem Krieg mit Iran voran­zubringen.“ (Warschau 13.2.2019, „כדי לקדם את האינטרס המשותף של מלחמה באיראן“). Das gemeinsame Interesse der Welt formulierte Manfred Görg vor 14 Jahren so: „Der Mitt­le­re und Nahe Osten braucht stattdessen immer erneuerte Initiativen zu Verhand­lungen, die in aller nur denkbaren Intensität, sowohl mit Sinn für die Realitäten, aber auch mit Phantasie für die Möglichkeiten einer friedlichen Verständigung geführt werden müssen.“

Hier soll nicht die um sich greifende Einflussnahme und Präsenz Irans in Syrien, im Libanon und andernorts und die damit empfundene Bedrohung kleingeredet werden. Aber alle, die sich wahrhaftig um die Sicherheit Israels und das dauerhafte Bestehen des jüdischen Staates sorgen, ohne dabei nur eine Seite des Konflikts wahrzu­nehmen und gelten zu lassen, müssen vor allem anderen jene Gerechtigkeit für alle einfor­dern, ohne die in den Worten der Bibel (Ps 85, 10) kein Friede zu haben ist.

Stattdessen erleben wir, wie der Vorwurf des Antisemitismus politisch missbraucht und so auf fatale Weise entwertet wird. Wie in demokratischen Ländern Politiker, die Men­schen­verachtung predigen, indem sie beispielsweise die Rettung Ertrinkender als Ver­brechen brandmarken, von Wähler­mehrheiten bejubelt werden. Die gras­sie­rende Massenverblen­dung um der vermeintlichen Größe der eigenen Nation Willen und ihre Überhebung über internationale Verträge und Frieden sichernde Staa­ten­­bündnisse gemahnt in beängstigendem Maße an die Stimmung in Europa vor dem Aus­bruch des Ersten Weltkrieges. Merken wir nicht, wie wir auf einen neuen Abgrund zu­steuern, der nicht nur den Nahen Osten in ungeahnte Dimensionen des Verderbens stürzen wird? Womöglich fehlt nur noch ein Attentat auf einen Thronfolger …

(Editorial der ABRAHAMS POST 33.2018/19)

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"Wer 'Antisemitismus' ruft, wo keiner ist, der schadet dem Kampf gegen Antisemitismus!" (Shimon Stein)

Die mahnenden Worte des ehemaligen Botschafters des Staates Israel in Deutschland, die wir in der ABRAHAMS POST schon zitiert haben (Frühjahr/Sommer 2018, Editorial), werden weiterhin missachtet. Während offener Antisemitismus heute wieder in erschreckendem Maß um sich greift, beobachten wir mit großer Sorge, wie gleichzeitig dem Kampf gegen Antisemitismus dadurch geschadet wird, dass der Vorwurf ausgerechnet für extrem rechts gerichtete politische Zwecke instrumentalisiert wird. Das gilt auch dann, wenn dies in vermeintlich guter Absicht geschieht – was man den Bundestagsabgeordneten zubilligen wird, die jüngst in einer Resolution die sogenannte „BDS“-Bewegung pauschal mit Antisemitismus gleich­gesetzt haben. Wer nicht differenziert, wo Kritik an Israel tatsächlich antisemi­tisch begründet sein kann und wo sie vom Grundrecht der Meinungsfreiheit ge­schützt wird, wo sie legitim ist und wo sie dringend geboten sein sollte, greift in unser aller Verantwortung um den Kampf gegen Antisemitismus ein, indem er den Vorwurf und Begriff missbraucht und entwertet.

Menschen, die alle Anerkennung um ihr Wirken für das gelingende Miteinander in Deutschland verdienen, wie z. B. Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums Berlin, der im Kontext jener Entscheidung durch heftige Vorwürfe zum Rücktritt veran­lasst wurde, werden zum Opfer eines um sich greifenden neuen Unrechtsmechanis­mus. Der Ägyptologe und die Kulturwissenschaftlerin Jan und Aleida Assmann, Friedens­preisträger des Deutschen Buchhandels 2018, die sich öffentlich mit Peter Schäfer als einem „engagierten Freund Israels“ solidarisierten, fanden dafür deut­liche Worte: „Ein neues Gespenst geht um in Europa: das ist der Antisemitismus-Vorwurf.“ Dieser stelle „uns Europäer, insbesondere Deutsche, unter Generalver­dacht und ruft im Stil der McCarthy-Ära zu einer Hexenjagd auf jeden auf“, der die aktuelle Politik Israels nicht unterstütze und denunziere ihn als Antisemiten.

Es sind vor allem auch kritische Israelis, die sich laut und deutlich gegen die in ihren Augen verheerende Politik ihres Landes aussprechen – weil sie darin Unrecht gegen das palästinensische Volk zum einen und zum anderen die tatsächlich größte Gefahr für die Sicherheit und das Fortbestehen ihres eigenen Staates erkennen. Wer sie, wie das in Deutschland massiv geschieht, zum Schweigen bringt, macht sich – falls sie Recht haben – am gegenwärtigen und künftigen Leid der Menschen im Nahen Osten, und ausdrücklich auch Israels, mit schuldig!

Weil wir das nicht wollen, möchten wir zur Verbreitung eines Aufrufs von 240 jüdischen und israelischen Wissenschaftlern an die Bundesregierung vom 3.6.2019 beitragen und Auszüge daraus abdrucken. Der volle Wortlaut ist hier zu finden: https://de.scribd.com/document/412474418/Aufruf-von-240-Judischen-und-Israelischen-Wissenschaftlern-an-die-Bundesregierung-zu-BDS-und-Antisemitismus

„(…) Wie in der früheren Erklärung zum Ausdruck gebracht, betrachten wir Anti­semit­­is­­mus und alle Formen von Rassismus und Fanatismus als Bedrohungen, die bekämpft werden müssen, und wir ermutigen die deutsche Regierung und den Bundes­tag, dies zu tun. Der Bundestagsbeschluss [vom 17.5.2019 zur Einstufung der sog. „BDS“-Bewegung als „antisemitisch“] unterstützt diesen Kampf jedoch nicht. Im Gegenteil, er untergräbt ihn.

Die Meinungen zu BDS gehen unter den Unterzeichnern dieses Aufrufs erheblich auseinander: Manche mögen BDS unterstützen, während andere es aus verschie­denen Gründen ablehnen. Wir alle lehnen jedoch gleichermaßen die trügerische Behauptung ab, BDS sei als solches antisemitisch, und wir bekräftigen, dass Boykotte ein legitimes und gewaltfreies Mittel des Widerstands sind. Wir, darunter führende Antisemitismusforscher, erklären, dass man nach dem Inhalt und dem Kontext seiner Worte und Taten als Antisemit betrachtet werden sollte – ob sie nun von BDS-Unterstützern stammen oder nicht.

Bedauerlicherweise ignoriert der Beschluss die ausdrückliche Ablehnung ‚aller Formen von Rassismus, einschließlich Antisemitismus‘ durch die BDS-Bewegung. Die BDS-Bewegung versucht, die Regierungspolitik eines Staates zu beeinflussen, der für die anhaltende Besetzung und Unterdrückung des palästinensischen Volkes verantwortlich ist. Eine solche Politik kann nicht immun gegen Kritik sein. In diesem Zusammenhang ist auch anzumerken, dass viele jüdische und israelische Einzelpersonen und Gruppen BDS entweder ausdrücklich unterstützen oder das Recht darauf verteidigen. Wir halten es für unangemessen und beleidigend, wenn deutsche Regierungs- und parlamentarische Institutionen sie als antisemitisch abstempeln.

(…) Wir kommen zu dem Schluss, dass der Anstieg des Antisemitismus eindeutig nicht die Sorge ist, die den vom Bundestag beschlossenen Antrag inspiriert hat. Im Gegenteil, dieser Antrag ist von den politi­schen Interessen und der Politik der am stärksten rechtsgerichteten Regierung Israels in der Geschichte des Landes angetrieben. (…)

Die antisemitische Bedrohung geht nicht von palästinensischen Menschenrechts­aktivisten aus, sondern vor allem von der extremen Rechten und von dschihadisti­schen Gruppen. Die Leugnung dieser Tatsache könnte Muslime und Araber dem bedeutsamen Kampf gegen Antisemitismus entfremden und behindert die Heraus­bildung echter Solidarität zwischen Juden, Israelis, Muslimen und Arabern im Kampf gegen Antisemitismus und andere Formen von Rassismus. Sie sendet auch eine falsche Botschaft an diejenigen, die sich der Unterdrückung des palästinensischen Volkes mit gewaltfreien Mitteln widersetzen.

Aus all diesen Gründen lehnen wir, jüdische und israelische Wissenschaftler, den Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen ab. Nach dem Bundes­tags­beschluss fordern wir nun die Bundesregierung auf, diesem Antrag nicht zu folgen und BDS nicht mit Antisemitismus gleichzusetzen. (…) Darüber hinaus rufen wir die Bundesregierung dazu auf, ihre direkte und indirekte Finanzierung israelischer und palästinensischer Nichtregierungs­organisationen aufrechtzuerhal­ten, die der israelischen Besatzung friedlich entgegenwirken, schwere Vorwürfe gegen das Völkerrecht aufdecken und die Zivilgesellschaft stärken. Diese Organi­sationen verteidigen die Prinzipien und Werte, die das Herzstück der liberalen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Deutschland und andernorts bilden.“

(aus: ABRAHAMS POST 35.2019/20)

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Alles Gute zum Geburtstag, Freistaat Bayern!

Auch die Freunde Abrahams widmen dem 100. Jubiläum der Gründung des Freistaates Bayern eine Veranstaltung: Der ehemalige Landesbischof und Mitglied in unserem Kuratorium Dr. Johannes Friedrich wird das Verhältnis „Der Freistaat Bayern und die Religion(en)“ thematisieren (siehe Hauptvortrag).

Von den sicher vielfältigen Erinnerungsveranstaltungen im Umfeld des Jahrestages am 8. November möchte man wünschen, dass vor allem auch der Umstand bewusst gemacht wird, dass die Bairische Republik, der Volks-und Freistaat, von einem jüdischen Atheisten aus Berlin ins Leben gerufen wurde. Und nein – das ist eben nicht, wie es gerne dargestellt wird, scheinbar widersprüchlich oder unvereinbar mit der Geschichte des Landes und dem Wesen seines Volkes!

Die Archäologie lehrt uns, dass die Bajuwaren als ein Mischvolk entstanden, aus einem romanisch-keltischen Substrat, das von germanischen Migranten überlagert wurde, Goten, Langobarden, Franken, Alemannen, und dazu kamen im Osten noch Awaren und Slawen (siehe dazu „Ethnogenese im Vergleich“, Blätter Abrahams 15, 2015, S. 71-80). Daraus entstand im 5. Jahrhundert ein Stammesherzogtum, in dem dann allerdings keltische und römische Religion, sowie alle nicht-katholischen Christen, wie die Arianer, mit Gewalt ausgemerzt wurden.

Zum Kurfürstentum wurde Bayern 1623, wieder im Zuge eines Glaubenskrieges, des Dreißigjährigen, der vor genau 400 Jahren seinen Anfang nahm. Der Katholizismus wurde zum Nationalkult gemacht. Auf den Münzen des Landes trat anstelle des Staatswappens die Muttergottes. Kurfürst Maximilian I. trug mit Schwert und Kreuz einen blutigen Krieg gegen die ungläubigen Lutheraner aus und zwang dem Land religiösen Fundamentalismus auf: Religionspolizei zur Einhaltung der täglichen Gebetszeiten sowie der Fastenzeit; Rosenkranzpflicht und Muttergottesdar­stellungen verpflichtend über jedem Hauseingang. Protestantische Wiedertäufer wurden ertränkt, Hexen verbrannt; Juden waren schon lange vorher vertrieben.

Es folgt Gott-sei-Dank auch in Bayern die Aufklärung, und das Königreich entsteht 1806 im Zeichen von Säkularisation und politischer Entmachtung der Kirche. Die Schöpfer des neuen Multikultireichs aus Altbayern, Franken und Schwaben, allen voran Graf Montgelas, waren französischen Idealen und freigeistigen Strömungen zu­ge­wandt, vielleicht auch dem Freimaurertum und Verwandtem wie den Illumina­ten. Juden wurden nun, vor 200 Jahren, legalisiert, Protestanten sogar den Katho­liken gleichgestellt.

Der letzte Wittelsbacher König Ludwig III. lässt Maria im Zuge des Weltkrieges von einem Papst namens Benedikt XV. (der kein Bayer war) ganz offiziell zur Patrona Bavariae „erheben“ (1917). Dann also Kurt Eisner und seine „unabhängige Sozial­demo­kratie“, dann die kurze, heftige Räterepublik, dann rechter Terror, pseudo­germanisches Nazitum, versagendes Christentum, Neuanfang:

„Ange­sichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des zweiten Weltkrieges geführt hat, in dem festen Entschlusse, den kommenden deutschen Geschlechtern die Segnungen des Friedens, der Menschlichkeit und des Rechtes dauernd zu sichern, gibt sich das Bayerische Volk, eingedenk seiner mehr als tausendjährigen Geschichte, nachstehende demokratische Verfassung.“
(Präambel der Bayerischen Verfassung von 1946)

So facettenreich und wechselvoll wurde unsere Identität geprägt – kein Wunder, dass das nicht jeder überblickt. Das Wappen und die Fahne Bayerns kommen sehr gut ohne Kreuz aus. Und die „mehr als tausendjährige Geschichte“ lehrt in summa, dass neue Komponenten in der Bevölkerung auszugrenzen immer wieder in leidvolle Zeiten geführt hat. Wer sie willkommen heißt, der bleibt Bayerns Identität treu!

(aus: ABRAHAMS POST 33.2018/19)

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In den Schuhen des Anderen

Am 8. September 2018 wäre Manfred Görg 80 Jahre alt geworden. Die Freunde Abrahams feiern ihren Gründer und bleibenden geistigen Vater mit zwei Veranstal­tun­gen: Mit dem „Abrahamischen Friedensgebet“, das jährlich im Umfeld des Todes­­tages von Manfred Görg stattfindet (… 17.9.2012), und mit der Verleihung des nach ihm benannten Preises für religionsgeschichtliche Forschung und inter­reli­giösen Dialog, der alle drei Jahre vergeben wird. Beides findet am Sonntag, 16.9.2018 statt – siehe Seite 3.

In einem Interview aus dem Jahr 2008, dem auch das Preismotto „Religion verpflich­tet zur Offenheit!“ entlehnt ist, untermalt Görg diese Maxime mit der Formulierung: „Man muss lernen, in den Schuhen des Anderen zu gehen“. Es reicht eben nicht, nebeneinander herzulaufen. Es braucht Wertschätzung für die oder den Anderen, solidarisches Interesse an dem, was ihr und ihm kostbar und heilig ist, Empathie für seine und ihre Sorgen und Ängste.

Es reicht eben auch nicht, nur die eigene Religion zu kennen und zu schätzen. Denn dann besteht immer die Gefahr, dass sie für die Bestimmung der eigenen Identität verein­nahmt und dazu missbraucht wird, Grenzen gegen Andere abzustecken. Wer die eigene Religion und ihre Symbole wie ein Feldzeichen vor sich herträgt, darin gleichsam ein Wappen oder eine Fahne sieht, der verehrt damit nicht mehr das absolut Unverfügbare, das den Kern jeder Religion ausmacht, sondern vergöttert letztlich die Interessen der eigenen Gemeinschaft.

Auch das hat Görg in jenem Interview deutlich ausgesprochen: „Es ist un­christlich, Kulturen abzuweisen, die bei uns zu Gast sind und hier zuhause sein möchten.“

(Editorial der ABRAHAMS POST 33.2018/19)

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zum 70. Geburtstag des Staates Israel:

"Grundlage für Frieden ist, die Realität anzuerkennen." (Benjamin Netanjahu)
oder: Wer Jerusalem für sich allein beansprucht, wird Jerusalem nicht gerecht

Papst Franziskus rief […] die Nationen dazu auf, sich dafür einzusetzen, „den Status der Stadt zu schützen, wie es die entsprechenden Resolutionen der UNO vorse­hen“. Die laut Völkerrecht geteilte Stadt wird von den Israelis und den Palästinensern gleichermaßen als Hauptstadt beansprucht. „Jerusalem ist eine einzigartige Stadt, heilig für Juden, Christen und Muslime“, erinnerte der Papst, „und sie hat eine besondere Berufung zum Frieden“. Er bete dafür, dass diese Identität „zum Wohl des Heiligen Landes, des Nahen Ostens und der ganzen Welt bewahrt und bestärkt werde“. Es brauche jetzt „Weisheit und Vorsicht, damit keine neuen Elemente der Spannung in einem Weltpanorama entstehen, das jetzt schon gezeichnet ist von so vielen und grausamen Konflikten.“ (Radio Vatikan, 6.12.2017)

Als vor 70 Jahren – am 14. Mai 1948 – der Staat Israel Wirklichkeit wurde, geschah dies auf Grundlage der UN-Resolution 181 vom 29.11.1947 zur Teilung Palästi­nas. Neben einem jüdischen und einem arabischen Staat war darin ein sog. Corpus separatum, ein Territorium unter internationaler Ver­waltung vorgesehen, das die Städte Jerusalem und Betlehem mit ein wenig Umland umfassen sollte. Vorausge­gangen war 30 Jahre zuvor die sog. Balfour-Erklärung, in der der britische Außen­minister die Schaffung einer „nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästi­na“ („the establishment in Palestine of a national home for the Jewish people“) begrüßte, mit der ausdrücklichen „Maßgabe, dass nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaf­ten in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte.“

Auf jüdischer Seite reichten die Meinungen von aufrichtiger Akzeptanz des UNO-Teilungsplans und einhelliger Freude über die Verwirklichung des Traums vom Juden­staat, in welchen Grenzen auch immer, bis zum fortgesetzten Anspruch auf das ganze Mandatsgebiet von Palästina in den Grenzen von 1920-23, das auch noch das neu gegründete Königreich Jordanien mit umfasst hatte. Auf arabischer Seite herrschte entschiedene Ablehnung und die vermeintliche Gewissheit, dass mit einem kurzen Krieg das „zionistische Gebilde“ auszulöschen wäre. Das Ergebnis war bekanntlich die Teilung Palästinas in drei Teile: den Staat Israel, einen von Jordanien besetzten Teil (das sog. Westjordan­land) und einen von Ägypten besetzten Teil (den Gazastreifen). Jerusalem wurde für 19 Jahre mitten hindurch geteilt, an der Altstadt­mauer entlang. Die Umsetzung des Corpus separatum wurde von keiner der Seiten verfolgt. Israel schuf im Westteil Jerusalems seine Hauptstadt. Im Zuge der Nakba blieben dort nur wenige arabische Bewohner zurück. Jordanien vertrieb die jüdische Bevölkerung aus der Altstadt, Synagogen wurden zerstört, der Zugang zur Klage­mauer blieb Juden verwehrt.

Mit dem Sechstagekrieg von 1967 wurde mit dem Westjordanland auch der Ostteil Jerusalems israelisch besetzt. Die Stadtgrenzen wurden so gezogen, dass nach Westen hin immer mehr jüdische Vororte ein­geschlossen wurden, nach Osten hin arabische Vororte ausge­schlossen blieben. Dort, an der östlichen Stadtgrenze, die sich de facto mitten durch arabische Wohnviertel zieht, wurde inzwischen eine mons­tröse Sperrmauer errichtet. Zunehmend wird Palästinensern, die in Jerusalem geboren wurden und ange­stammten Familien angehören, ihr „Wohn­recht“ entzo­gen – während jüdische Neueinwanderer in den großen Trabantenstädten im be­setz­ten Ostteil Ver­günstigungen genießen, selbst wenn sie Jerusalem noch nie zuvor betreten hatten.

Seit den sieben Jahren, die ich in den 1980ern und 90ern in Jerusalem lebte, wurde die Stadt verändert. Vor dem Zugang zu meinem damaligen Zimmer, das auf dem Dach eines Hauses am Rand des Armenischen Viertels der Altstadt erbaut ist, mit Blick auf den Ölberg, wurde von jüdischen Nachbarn ein hoher, eiserner Stangen­zaun samt Stacheldraht aufgezogen. Die armeni­schen Bewohner, die nicht infor­miert worden waren, sahen sich bewaffneten Grenzpolizisten gegenüber, als sie die bloße Frage stellen wollten, was denn vor sich gehe. Dieses persönliche Beispiel ist nur eines von unzähligen kleinen Details, über die keine Zeitung und keine Nach­rich­ten­sendung berichten. Jeder, der Jerusalem wirklich kennt, kann davon erzäh­len. Worüber auch weite Teile der jüdisch-israelischen Bevölkerung der Stadt klagen, ist eine massive Expansion des als religiös radikal empfundenen orthodoxen Sektors, der liberale, weltlich und westlich eingestellte Israelis zunehmend in die Defensive und zur Abwanderung aus der Stadt drängt. In den israelischen Regie­rungen hat in den letzten Jahren und Jahr­zehnten eine erschreckende politische Radikalisierung stattgefunden. Strö­mungen, die vor 30 Jahren von einem breiten Konsens der israelischen Gesellschaft mit gutem Grund als rechts­extrem eingestuft und entsprechend ausgegrenzt wurden, werden inzwischen von der Regierung politisch unterstützt, finanziell gefördert und sind selbst an Regierungen beteiligt. Parteien, die früher mit dem bürger­lich-konservativen Spektrum in Europa vergleich­bar waren und längst in Israel tonangebend wurden, stehen dem Politikstil und den inhaltlichen Positionen nach für das, was in Deutschland als populistisch und extre­mis­tisch, rassistisch und gefähr­lich gebrandmarkt werden würde.

Der Chef der jetzigen und mehrerer vorangegangener Regierungen Israels seit der Ermordung von Jitzchak Rabin, Benjamin Netanjahu, unterstützte Donald Trumps Aner­kennung Jerusalems als Hauptstadt Israels mit den Worten: „Grundlage für Frieden ist, die Realität anzuerkennen. (…) Jerusalem ist die Hauptstadt Israels und niemand kann das verneinen.“ Er hat damit vollkommen Recht. Zur Realität gehört der israelische Anspruch, die eigene Hauptstadt selbst zu bestimmen. Zur Realität gehören aber ebenso die Ansprüche der anderen Seite. Zur Realität gehört auch, dass ein Teil der Bevölkerung Jerusalems Israel als Besatzungsmacht erlebt. Zur Realität gehört deren seit Jahrzehnten untragbare Diskriminierung, Entrechtung und Vertreibung. Zur Realität gehört, dass Israel seine politischen Vorstellungen ohne jede Rücksicht auf internatio­nales Recht durchsetzt und Kritik daran gerne als „anti­semitisch“ motiviert stigmatisieren lässt – während jedes Bemühen der Palästinenser, die eigene Realität zur Sprache zu bringen, delegitimiert wird, und zwar gerade auch dann, wenn dafür ausdrücklich gewaltfreie Wege beschritten werden sollen. Alle diese Realitäten gleichermaßen anzuerkennen, ist die Verpflichtung der deutschen und europäischen Politik. Denn, wie Benjamin Netanjahu richtig betont, wäre das die Grundlage für Frieden.

Wenn ich regelmäßig in meine geistige Heimatstadt Jerusalem zurück­kehre, dann erlebe ich dort – trotz allem – immer noch eine Stadt von geradezu über­irdischer Schönheit. Immer noch ist die Vielfalt dieser Stadt so aus­geprägt, dass sie den Ort auf unvergleichliche Weise auszeichnet – auch wenn die Formen des Miteinanders weniger ins Auge springen, als die des Gegen- und vor allem die des Nebeneinanders. Immer noch ist Jerusalem ein Ort, der wie kein anderer auf der Welt einen Platz hat in den Herzen von mehreren Milliarden Menschen rund um den Globus, und das infrage zu stellen wird Politik niemals in der Lage sein. Es kann daher nur eine gemeinsame oder eine internationale Verwaltung Jerusalems dieser Stadt und allen, die sie lieben, gerecht werden. Vielleicht so, wie es schon vor 80 Jahren von den Vereinten Nationen vorgegeben wurde. Auch das ist eine ganz simple Realität, die anzuerkennen Grundlage für den Frieden bleibt.

(aus: ABRAHAMS POST 32/2018)

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zur Resolution des Münchner Stadtrats "Gegen jeden Antisemitismus!":

"Wer 'Antisemitismus' ruft ...

… wo keiner ist, der schadet dem Kampf gegen Antisemitismus“ – so schrieb unlängst der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland Shimon Stein („Das böse Etikett“, Zeit online, 31.5.2017). Weil der Ungeist des Antisemitismus ebenso widerwärtig wie hartnäckig ist und immer wieder neu ernst genommen werden muss, deshalb erfordert der Vorwurf des Antisemitismus Verant­wortung, Verstand und ein Höchst­maß an Sensibilität von allen, die ihn einsetzen. Andernfalls droht er zu einer Floskel zu verkommen, die Brisanz seines Inhalts verwässert zu werden, oder er wird als Kampfbegriff für politische Ziele missbraucht.

Dann wird Antisemitismus nicht bekämpft – wie der Titel einer Resolution des Münchner Stadtrats es vorgibt –, sondern es wird dem Anti­semitismus, dem Rechtsextremismus und Rechts­populis­mus in die Hände gespielt. Die Resolution befasst sich mit dem hoch­komplexen Gebiet der Nah­ost­problematik, ohne sich um die dafür erforder­liche Kompetenz zu bemühen. Sie pauschalisiert anstatt zu differenzieren und bezieht einseitig Position in heftig umstrittenen Fragen.

Wenn Menschen, die sich für eine friedliche Verständigung von Juden und Arabern, Israelis und Palästinensern, Judentum und Islam einsetzen, die teilweise selbst jüdische Israelis sind und sogar Nachkommen von Opfern der Schoah, in die Nähe von Antisemitismus gerückt werden, dann ist auch das unerträglich. Dies geschieht aktuell in München, der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“. Auch das ist eine Form von Ungeist, die wahr­genommen und ernst­ge­nom­men und aufgehalten werden muss.

(Editorial der ABRAHAMS POST 32/2018)

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zur Resolution des Münchner Stadtrats "Gegen jeden Antisemitismus!":

"Gegen jeden Antisemitismus!"

Die Vollversammlung des Münchner Stadtrats hat am 13.12.2017 eine Resolution mit der Bezeichnung „Gegen jeden Antisemitismus! – Keine Zusammenarbeit mit der antisemitischen BDS-Bewegung (‚boykott, divestment and sanctions‘)“ beschlos­sen. Wie der Titelzusatz zeigt, geht es dabei darum, der internationalen Kampagne oder Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“, die „den Staat Israel wirt­schaft­lich, kulturell und politisch isolieren möchte“ (Wikipedia), jede städtische Unter­­stützung zu verweigern, sowie darum, die BDS-Bewegung als „anti­semitisch“ einzustufen.

Die Gesellschaft Freunde Abrahams kooperiert gern und eng mit israelischen wie mit anderen WissenschaftlerInnen und sieht darin einen zentralen Teil des eigenen Selbstverständnisses. Die Gesellschaft Freunde Abrahams kann also die BDS-Kampagne/-Bewegung nicht unterstützen und ihr nicht nahe stehen.

Wir begrüßen aber ausdrücklich den gewaltfreien Ansatz, und wir teilen mit vielen Palästinensern, Israelis, Juden, Christen, Muslimen und anderen Menschen weltweit eine wachsende Verzweiflung über die Politik der letzten Regierungen des Staates Israel. Sie trägt zu einer friedlichen Lösung des Konflikts nicht bei und stellt eben dadurch die Existenz des jüdischen Staates selbst infrage.

Zahlreiche UnterstützerInnen von BDS sind selbst Israelis und sehen gerade darin ausdrücklich ein Mittel, die sichere Zukunft Israels zu gewähr­leisten, in Frieden mit den Palästinensern. Einzelne BDS-AktivistInnen und ‑UnterstützerInnen würden offen­bar dem Staat Israel gerne das Existenzrecht absprechen. Diese Position kann aber nicht der Bewegung insgesamt zugeschrieben werden, deren Einstufung als „anti-zionistisch“ international umstritten ist. Erst recht darf eine solche Haltung keinesfalls pauschal auf alle Personen übertragen werden, die BDS unterstützen oder dieser Bewegung in irgendeiner Weise „nahe­stehen“. Wie sich in der Folge der Resolution in München bereits in mehreren Fällen gezeigt hat, führt das zu para­doxen und beklemmenden Diffamierungen von Personen, die für ihren Einsatz für Frieden und Menschenrechte eigentlich Anerkennung und Unterstützung verdienten.

Eine Bewertung der überaus komplexen Fragen zum Nahostkonflikt kommt niemals ohne seriöse Differenzierungen aus. Eine falsche Gleich­setzung „Kritik an der Politik Israels“ = „Israel-Kritik“ = „Kritik an der Existenz des jüdischen Staates“ = „Antisemitismus“ ist an allen Stellen fahrlässig und läuft auf einen verhängnisvollen Missbrauch des Anti­semitismus­begriffs hinaus, der dem Kampf gegen echten Anti­semitismus schadet (siehe Editorial).

(aus: ABRAHAMS POST 32/2018)


Solidarität mit IDIZEM

Wir haben uns in der Vergangenheit so gut wir konnten gegen Vorwürfe stark gemacht, die unseren Freunden von der Islamischen Gemeinde Penzberg mehrere Jahre lang das Leben zur Hölle machten. Sie gingen von extremistisch islamfeind­lichen Kräften, aber auch von sehr hohen staatlichen Behörden in Deutschland, dem Bayerischen Innen­ministerium und dem Landesamt für Verfassungsschutz aus (von wo aus sie glücklicherweise eingestellt wurden). Aktuell müssen wir miterleben, wie erneut muslimische Freunde angegriffen werden, diesmal aus ganz anderer Rich­tung und in noch viel erschreckender Dimension.

Der Autor dieses Beitrags und Vorsitzende der Freunde Abrahams gilt in der Türkei heute als „Unterstützer einer Terrorbewegung“. Nicht die Freunde Abrahams selbst sind damit gemeint – obwohl es eigentlich nur konsequent wäre, wenn die Erdoğan-Regierung auch uns so stigmatisieren und verfolgen würde, schließlich ist IDIZEM als Institution Mitglied der Freunde Abrahams und zugleich der Münchner Ableger der von Fethullah Gülen inspirierten Hizmet-Bewegung. Ich selber bin meinerseits Mitglied im Beirat von IDIZEM, einem Gremium diverser Persönlichkeiten und Freunde, die das Wirken des „Inter­kulturellen Dialogzentrums München e. V.“ seit vielen Jahren gut kennen, mit viel Sympathie verfolgen und deshalb gerne nach Kräften beratend zur Seite stehen. Um das gleich vorwegzunehmen: Wir haben unseren Freunden von IDIZEM nicht geraten, einen Putsch in der Türkei zu inszenieren.

Präsident Erdoğan hat noch in der Putschnacht selbst das weltweite Netzwerk des in den USA lebenden türkischen Predigers Fethullah Gülen zu Schuldigen erklärt. Ohne Anklage, ohne Prozess, ohne Beweise. Wer es in der Türkei wagen würde, auch nur nachzufragen, würde sich selbst dem Zorn des Präsidenten und der Volkswut ausliefern und sofort selbst zum Gülenisten erklärt, zur „Metastase eines Krebsgeschwürs“.

Erdogan und seine AK-Partei haben bekanntlich viele Jahre lang nahezu identische Ziele gemeinsam mit der Gülen-Bewegung verfolgt und unter­scheiden sich bis heute nicht darin, dass sie den religiösen Gefühlen und Traditionen der türkischen Bevölkerung wieder mehr Raum im öffentlichen Leben einräumen wollen, nachdem sich der Staat seit Atatürk (nicht als in einem westlichen Sinne säkular, sondern) als religionsfern bis religionsfeindlich definiert hat. Es bestand daher schon lange ein ausgeprägter Gegensatz zwischen den gemeinsamen Anhängern Erdoğans (auf politischer Ebene) und Gülens (auf spiritueller Ebene) einerseits gegenüber dem kemalistischen Sektor, der traditionell von der Armee gestützt wurde. Der Bruch zwischen Erdoğan und Gülen hat keine ideologischen Differenzen zum Inhalt, sondern brach vor etwa drei Jahren offen aus, als der Prediger dem damaligen Ministerpräsidenten zu viel Machthunger vorwarf und nicht mehr bereit war, alle dessen Schritte, wie z. B. die Beschimpfung der für mehr Demokratie protestierenden jungen Menschen am Gezi-Park als „Terroristen“ und die Gewalt gegen sie, kritiklos zu decken.

Unbestritten ist, dass der Putsch von Teilen der türkischen Armee ausging. Dass Erdoğan selbst die Vorgänge inszeniert habe, ist trotz der naheliegenden Frage nach dem cui bono wenig glaubwürdig. Dass aber Anhänger Gülens aus der Armee heraus gewirkt haben sollen, würde angesichts des jahrzehntelangen Gegensatzes zwischen beiden zumindest Fragen aufwerfen, die in der Türkei niemand mehr stellen darf. Fethullah Gülen selbst hat in deutlichen Worten den Putsch verurteilt. Sein Islamverständnis ruft zu Bildung, zu Dialog mit anderen Religionen und zu freiwilligem Einsatz auch in unternehmerischer Hinsicht auf und lehnt Terror und Gewalt vehement ab. Zu den Grundmaximen von Hizmet gehört das Konzept von „Ikhlâs“, d. h. „Aufrichtigkeit, Integrität“: Das, was ihr tut, muss identisch sein – so fordert Gülen seine Anhänger auf – mit dem, was ihr sagt und mit dem, was ihr denkt. Dass hinter all dem stattdessen eine „hidden agenda“, ein bewusst verborgen gehaltener Plan nach Machterschleichung stünde, war immer ein Vorwurf der Säkularisten, geboren aus der Angst heraus, dass Religion wieder ein dominanter Faktor im türkischen Staat werden sollte. Dass dieselben Vorwürfe nun von denen ausgehen, die selber genau diese Zielrichtung vorantreiben, gehört zu den inneren Wider­sprüchlichkeiten der zutiefst zerrissenen, türkischen Gesellschaft – vor denen man aus Außen­stehender wohl letztlich nur kapitulieren kann.

Die Türkei ist jedoch keine Insel, und was dort vor sich geht, betrifft nicht nur Türken. Es betrifft uns ganz unmittelbar, wenn die blindwütige Hexenjagd gegen die, die als Feindbild und Sündenböcke vorgegeben und zu Un­menschen erklärt werden, über das Land hinausschwappt und sogar, wie es bereits geschieht, von der türkischen Regierung und der ihr zugeordneten Religions­behörde Ditib auch im Ausland propagiert und gesteuert wird.

Was auch immer an den Vorwürfen gegen Gülen selbst, gegen seine Anhänger oder gegen solche, die seine Bewegung womöglich missbraucht hätten, zutrifft, würde sich nur in rechtsstaatlich einwandfreien Verfahren klären lassen. Dass solche in dem aktuellen, von der eigenen Regierung geschürten Klima in der Türkei nicht vorstell­bar sind, liegt auf der Hand.

Von unseren Freunden von IDIZEM wissen wir jedenfalls, dass sie nicht nur nichts Fragwürdiges oder Schlechtes tun oder getan haben, sondern dass sie seit Jahren mit bewundernswertem Engagement sehr viel Gutes für das Zusammenleben in Deutschland bewirkt haben. Unsere Freunde von IDIZEM müssen sich nicht dafür rechtfertigen, wenn der türkische Präsident sie zu „Terroristen“ erklärt. Es sind vielmehr die Hetzer und Hexenjäger, die sie stigmatisieren und bedrohen, welche für das, was sie sagen und tun, zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Unsere Freunde von IDIZEM werden sich in ihrem glaubwürdigen Einsatz für das Mit­einander in Deutschland hoffentlich nicht beirren lassen, wiewohl die aktuelle Entwicklung alle, die sich so engagiert haben, existentiell erschüttert. Wir sind jetzt gefragt, ihnen zur Seite zu stehen.

(aus ABRAHAMS POST 29/2016)

"Allahs blauer Edelstein" - und wie München zu einem Vorort von Penzberg geworden ist

Die Islamische Gemeinde Penzberg feierte am 17. Oktober 2015 ein Doppeljubiläum: 20 Jahre Bestehen der Gemeinde, 10 Jahre Eröffnung des „Islamischen Forums“ mit der längst weit über Bayern hinaus bekannt gewordenen Moschee. Unseren Freunden gratulierte Stefan Jakob Wimmer mit einem Rückblick aus der Sicht der Freunde Abrahams:

Es war am 1. Juli 2006, als die Gesellschaft Freunde Abrahams ihren Mitgliedern einen Tagesausflug nach Penzberg anbot. Im Ankündigungstext hieß es dazu: „Der scheinbar unauffällige Ort Penzberg, bekannt vor allem durchs Vorbeifahren auf der Autobahn, bietet Seiten, die als wenig Bayern-typisch auf Postkarten nicht vorkom­men, dabei aber genaueres Hinschauen umso mehr lohnen“. Neben dem Besuch des Stadtmuseums, der Campendonk-Fenster in der Christkönigskirche und einem Mittagessen in Schönmühl war die Hauptattraktion und der eigentliche Anlass für die Exkursion das im Jahr zuvor eröffnete Islamische Forum. Über deren Eröffnung hatte die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel „Allahs blauer Edelstein“ berichtet – eine Formulierung, die man sofort versteht, wenn man die Moschee von innen (oder nachts von außen) sieht. Deren aufregend ansprechende Architektur wäre schon Rechtfertigung genug für die Fahrt nach Penzberg gewesen; es kamen aber immer wieder Berichte über den jungen, dynamischen und chiquen Imam namens Benjamin Idriz hinzu, der in seinen Predigten engagiert „einen friedlichen und in Europa beheimateten Islam“ vertrat. Zum sog. Karikaturenstreit, der Anfang 2006 erstmals aufgeflammt war, war ebenfalls in der SZ zu lesen, was er den Muslimen dazu riet: „Legt Blumen vor die Botschaften statt Feuer! Wenn wir den Propheten verteidigen wollen, dürfen wir ihn nicht beschädigen. Zeigt die friedliche Botschaft des Islam! Zeigt, dass wir den Weg eines Dialogs gehen wollen, in dem beide Seiten auf gleicher Augenhöhe sind.“

Nun – der Besuch der Freunde Abrahams, die der 2012 verstorbene Prof. Manfred Görg damals mit mir zusammen leitete, hatte für mich ungeahnte Folgen. Wie alle Teilnehmer/innen war ich fasziniert und begeistert von dem, was wir sahen und hörten, was Vizedirektorin Gönül Yerli uns zeigte und erklärte, was der Imam und seine Frau Nermina Idriz uns über die Selbstverständlichkeit des Miteinanders nahebrachten. Meine Erfahrungen mit Islam, bzw. mit Muslimen, hatten viel mit meiner Studienzeit in Jerusalem zu tun, mit meinen darauf folgenden engen Beziehungen zu Israel/Palästina, zu Jordanien, Ägypten. Und sie waren deshalb überwiegend geprägt von Erscheinungsformen – nun will ich nicht mehr sagen: des Islam, sondern – dessen, was Muslime aus dem Islam gemacht haben, die wir alle auch aus den Medien zur Genüge kennen. Hier in Penzberg war nun ein Ort, waren Menschen, eine muslimische Gemeinde, die glaubwürdig dafür eintraten, dass Islam weder fremd noch gefährlich ist, sondern tatsächlich eine Bereicherung unserer Gesellschaft sein könnte. Ich hatte, so schien mir, eine seltene Entdeckung gemacht, gleichsam „einen Edelstein“ gefunden! Und so bot ich mich gerne an, wenn einmal Bedarf wäre, die Gemeinde nach Wunsch zu unterstützen, wenn sie Hilfe beispielsweise beim Korrigieren oder Formulieren von Texten benötigte.

Der Fall trat bald ein. Als das Team um Benjamin Idriz ein anspruchsvolles Konzept vorlegte, um das, was in Penzberg gelang, in größerem Rahmen auch in München umzusetzen, wurden Vorwürfe und Widerstände laut, die damals – und auch jetzt im Nachhinein wieder – geradezu surreal, absurd und empörend wirk(t)en. Denn nicht nur die auch weiterhin ungebrochen aktive islamfeindliche Szene bezichtigte „die Penzberger“ des Gegenteils dessen, wofür sie sich nachweislich und anerkannt einsetzen; ausgerechnet das Bayerische Innenministerium – das eine islamische Gemeinde wie in Penzberg eigentlich feiern, fördern und mit Anerkennung über­schütten müsste – erklärte den Imam und seine Gemeinde zu verfassungsfeindlichen Extremisten und machte ihnen damit über mehrere Jahre das Leben zur Hölle. Es gab also sehr viel mehr Bedarf an Korrespondenz, an Briefen, Gesprächen, an Medienarbeit, als irgendjemand sich hätte wünschen mögen. Dass mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hildebrecht Braun ein Rechtsanwalt das juristisch Gebotene einbrachte und darüber hinaus noch sehr viel mehr andauernd leistet, darf hier nicht nur erwähnt werden – hoch genug kann es gar nicht gewürdigt werden. Mich machte der Verein „Zentrum für Islam in Europa – München (ZIE-M)“, wie die Initiative in den ersten Jahren hieß (sie wurde inzwischen umbenannt in „Münchner Forum für Islam (MFI)“) zum 1. stellvertretenden Vorsitzenden, und so erlebte ich mit, durch Dick und Dünn, wie „die Penzberger“ und ihre Münchner Mitstreiter es schafften, durch alle gesellschaftlichen Schichten ein Maß an Anerken­nung und Unterstützung zu erlangen, wie – das wird man ohne Zögern sagen können – noch nie irgendeine islamische Initiative in Deutschland: Politiker aus allen demokratischen Parteien von Rechts bis Links und von der Lokalpolitik bis zu Landtagspräsident Glück und Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, Vertreter/innen der Religionsgemein­schaften von den Penzberger Pfarrern bis zum lutherischen Landesbischof sowie führende Mitglieder der jüdischen Gemeinden in München, ungezählte einfache Bürgerinnen und Bürger, die in Penzberg leben oder die (zu Zehntausenden!) die Moschee besucht und das Forum kennengelernt haben, und schließlich nahezu alle Medien vom Penzberger Gelben Blatt bis zum Bayeri­schen Rundfunk unterstützen und fördern die Pläne aus Penzberg, setzen sich alle auf ihre Weise dafür ein.

Das mitzuerleben, war und bleibt lohnend und bewegend und ermutigend! Es war aber auch ein Lernprozess mit diesen Jahren für mich verbunden. Das Islamische Forum und die IGP sind tatsächlich „ein Edelstein“ – ohne Zweifel! Sie sind eine Ausnahmeerscheinung, insofern als sie es schaffen, das, wofür sie stehen, nicht nur nach innen umzusetzen, sondern auch erfolgreich nach außen zu vermitteln. Die schmerzvolle Kontroverse, von der oben die Rede war, hat vielleicht sogar die Wahrnehmung noch katalysiert und zu Beachtung und Unterstützung auch für das MFI in München mit beigetragen. Aber – die Musliminnen und Muslime, die ich in Penzberg und im MFI erlebe, sind keine Ausnahmemuslime. Im Gegenteil – sie glauben und leben den ganz normalen Islam. Muslimische Menschen wie sie leben nicht etwa nur in Penzberg, sondern überall und verkörpern das, was Islam ausmacht. Sie werden allerdings in der Regel viel weniger wahrgenommen, als im Beispielfall Penzberg. Dass die Funda­men­talisten, Extremisten und Terroristen, die Wahnsinnigen – ob sie sich „Islamischer Staat“ oder „Dschihad“ oder „Widerstand“ oder wie auch immer nennen – es sind, die die Ausnahmen verkörpern, periphere Randgruppen, scheint unserer Wahrnehmung zu widersprechen. Denn sie sind es, die die Berichterstattung dominieren. Das gelingt ihnen, weil sie Gewalt anwenden, und Gewaltanwendung braucht, wer sonst nichts hat, um über seine Marginalität hinweg­zutäuschen.

Was also macht das Besondere an „Penzberg“ aus? Dass eine einfache kleine Gemeinde mit sehr engagierten und begabten Menschen vorgemacht hat, was „normal“ ist. Und das große, weltläufige und gerne etwas selbstgefällige München ist hoffentlich dabei, das Vorbild Penzberg nachzuahmen. Die Vorreiterrolle, die Penzberg hier eingenommen hat, kann heute niemand mehr übersehen. Was den Beitrag von Muslimen zum Miteinander in Bayern angeht, ist Penzberg Metropole. München darf froh sein, nicht allzu weit von Penzberg entfernt zu liegen.

(aus ABRAHAMS POST 28/2016)

Stolpergedenken

Nicht ohne Bedacht wurde die Gedenkstätte an die Opfer der Schoah in Jerusalem Jad wa-Schem (in engl. Schreibweise Yad Vashem) benannt: Denen gebe ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen … einen ewigen Namen werde ich ihnen geben, der nicht ausgelöscht werden kann. In Jesaja 56, woraus diese Formulierung entlehnt wird, ist sie nicht auf Verfolgung und Vernichtung bezogen. Trotzdem stützt der besondere Stellenwert, der der Bewahrung des Namens in der alt­orientalischen und dann in der jüdischen Tradition eingeräumt wird, die überzeugende Prägnanz der Bezeichnung Jad wa-Schem: sie lautet wörtlich „Denkmal und Name“.

An die Namen verfolgter und ermordeter Menschen erinnern die sog. „Stolper­steine“. In zahlreichen Städten und Gemeinden in Deutsch­land und darüber hinaus lässt sich beobachten und selbst erfahren, wie effektvoll es sein kann, wenn unvermutet ein Name mit Geburts- und Todesdatum und ‑ort in unsere Wirklichkeit hereinblitzt, an genau dem Ort, an dem die Person zuletzt ihr Leben gelebt hat. Diese Namen in unseren Alltag zurückzurufen, omnipräsent im Stadtbild uns gleichsam auf Schritt und Tritt mit dem Gedenken zu konfrontieren, ist ein Konzept, das aus guten Gründen sehr viele Anhänger gefunden hat.

Andere haben auf einen Geburtsfehler der Kunstaktion von Gunter Demnig aufmerksam gemacht. Weder dem Künstler noch den Unterstützern seines Projekts noch dessen Gegnern, weder einer Religionsgemeinde noch einem Stadtrat noch selbst den Angehörigen steht es zu, zu wissen, ob das Opfer, dessen Name in den öffentlichen Boden verlegt wird, darin eine würdige Form des Gedenkens sähe oder eine anstößige. Zumal die Vorstellung, dass der Name eines Menschen grundsätz­lich nicht auf den Boden gehöre, unmittelbar eingängig ist. Wie viel mehr Achtsamkeit bedingt der Umgang mit den Namen ermordeter Menschen!

Ich selbst kann mich der Faszination der „Stolpersteine“, wenn ich ihnen in anderen Städten begegne, nicht entziehen. Das Konzept kommt an. Aber ich kann auch die Anstößigkeit nicht verdrängen, die sich jedes Mal einstellt angesichts eines wehrlos und schutzlos in das Straßenpflaster gebannten Namens.

Es ist verständlich, dass nicht nur, aber besonders im Judentum viele es un­erträglich finden, auf Schritt und Tritt, also ohne sich dafür oder dagegen entscheiden zu können, mit einer Form des Gedenkens konfrontiert zu werden, die Unbehagen hervorruft. Eben nicht nur Unbehagen angesichts der Verbrechen, sondern auch Unbehagen angesichts des nicht zu Ende gedachten Umgangs mit dem Gedenken, letztlich mit den Opfern selbst.

Siehe, in meine beiden Handflächen habe ich dich eingezeichnet, verkündet Jesaja Zion, also der Stadt Jerusalem (Jes 49,16). Dass jedes Menschen Name in Gottes Hand verzeichnet sei, wie die Stelle gerne in Predigten gedeutet wird, wird damit zwar nicht ausgesagt. In der Hand Gottes ist jeden­falls ein Name gut aufgehoben. Für den Boden unserer Gehsteige kann man das nicht sagen.

Nachdem aber inzwischen über 50.000 „Stolpersteine“ in vielen Ländern Europas das „größte dezentrale Mahnmal der Welt“ (Wikipedia) bilden, hat die Kunstaktion aus Köln längst eine Dynamik angenommen, die für grund­sätzliche Reflexion nicht mehr zugänglich ist. Die Kontroverse, die in München auch nach dem dritten Stadtratsbeschluss gegen die Verlegung auf öffent­lichem Grund nicht zur Ruhe kommt, macht dies deutlich. Zwar ist München durchaus nicht die einzige Kommune, die „Stolpersteine“ ablehnt (so werden sie u. a. auch in Augsburg nicht genehmigt), doch die Vehemenz, mit der diese Kontroverse hier ausgefochten wird, schadet dem Gedenken mehr, als die „Stolpersteine“ nützten.

(aus ABRAHAMS POST 27/2015)

"Gott sei Dank ist die Zeit des Friedens bald vorüber!"
Macht sich eine abrahamitiscche Schattenökumene des Hasses breit?

Seit einem Jahr versucht eine internationale Allianz, der westliche ebenso wie arabische Staaten angehören, der bedrohlichen Ausbreitung des soge­nannten „Islamischen Staates“ in Irak und Syrien mit Luftschlägen Einhalt zu gebieten. Mit bisher nur begrenzten Erfolgen. Man hat vielmehr den Eindruck, dass das Terrorgeschwür immer mehr Metastasen ausbildet, in Libyen, im Nordsinai, im Jemen, in Tunesien, in Nigeria … Dementsprechend flächen­deckend und entschie­den fallen die Reaktionen der Muslime aus, die in sehr deutlichen Worten die Verbrechen verurteilen, die der „I.S.“ im Namen ihrer Religion verübt: von der hoch angesehenen Al-Azhar-Universität in Kairo über den Großmufti von Saudi-Arabien, politische Organisationen wie der Arabischen Liga, dem Golf-Kooperationsrat oder der weltweiten Organisation für Islamische Zusammenarbeit, bis hin zu regionalen und lokalen Repräsen­tan­ten wie führenden Imamen in Großbritannien, der Türki­schen Kultur­gemeinde in Österreich, dem Zentralrat der Muslime in Deutschland oder den Münchner Imamen, die im September 2014 die „Deklaration der Imame“ herausgegeben haben (www.islam-muenchen.de/?s=deklaration), und solchen, die überall auf der Welt in den Moscheen dagegen anpredigen. Die Medien erach­ten diese globalen Reaktionen aber offenbar für wesentlich weniger berichtens­wert, als die von den Terroristen selbst angemaßte Verlinkung ihres Wütens mit dem Islam.

Auf globaler Ebene scheint Religion als vermeintliche Quelle für Hass und Gewalt derzeit überhaupt an Konjunktur zuzulegen. In Israel zündeten Brandstifter im Juni die Kirche der Brotvermehrung am See Genezaret an und hinterließen an der Wand das Zitat „und dass die Götzen ausgemerzt werden“ aus dem Alenu-Leshabeach-Gebet, das fromme Juden dreimal täglich beten. Als wäre dies nur ein Fanal gewesen, brannte wenige Wochen später das Haus der palästinensischen Familie Daoubasah im Dorf Douma südöstlich von Nablus. Der eineinhalbjährige Ali konnte nicht gerettet werden; inzwischen erlag auch sein Vater seinen Verletzungen. Diesmal stand das Wort „Rache“ – eine Lieblingsparole von Terroristen aller Länder und Religionen – in Hebräisch an der Wand, und daneben: „Es lebe der König Messias“. Anfang August wurde in Zusammenhang mit der Terrorwelle der 24-jährige Meir Ettinger verhaftet, ein Enkel des 1990 ermordeten, rechts­extre­misti­schen Rabbiners Meir Kahane.

Nur einen Tag vor dem verheerenden Brandanschlag stach der ultra­orthodoxe Wieder­holungstäter Yishai Schlissel während einer Parade von Lesben und Schwulen in Jerusalem mit einem Messer auf die Teilnehmenden ein, verletzte sechs Men­schen, von denen die sechzehnjährige Shira Banki bald darauf starb. Der Täter war erst drei Wochen zuvor nach zehnjähriger Haft entlassen worden, zu der er nach einer ähnlichen Messerattacke auf eine Gay-Pride-Parade 2005 verurteilt worden war.

Dass Homosexuelle mit dem Tod zu bestrafen seien, äußerte wiederum nur wenige Tage nach dem Blutvergießen in Jerusalem aber auch der Schweizer Bischof Vitus Huonder, als er vor konservativen Katholiken in Fulda ein­schlägige Verse aus dem Alten Testament zitierte („Ihr Blut soll auf sie kommen“, Lev 20,13 u. a.). Er hätte, wenn er schon auf jegliche Kontextuali­sierung der Quellen verzichtet, auch beim Neuen Testament bleiben können („Wer so handelt, verdient den Tod“, Röm 1,32). Nach heftigen Reaktionen einschließ­lich einer Anzeige ruderte der Bischof von Chur zurück und erklärte, er habe das so nicht gemeint.

Von derlei Relativierungen ist Erzpriester Wsewolod Tschaplin aus Moskau weit entfernt. Er wettert leidenschaftlich nicht nur gegen Homosexuelle, sondern auch gegen Abtreibung, Atheismus und Kirchenkritik, hält Verge­waltigungen i. d. R. für die eigene Schuld der Opfer aufgrund unzüchtigen Auftretens und preist den Kreationismus, den er anstelle der Evolutionslehre in den Schulen „gelehrt“ haben möchte. Mit all diesen Themen befindet sich der russisch-orthodoxe Kirchenmann in bemerkens­wertem Einklang mit evange­likal-fundamentalistischen Hasspredigern aus USA. Fast sähe das alles ja nach einer „abrahamitischen Schattenökumene“ aus, die „radikal-islamisti­sche“, „radikal-judaistische“ und „radikal-christia­nisti­sche“[1] Propagandisten unter­einander entwickelten, so sehr ähnelt sich ihr Denken und allzu oft auch ihr Handeln. Davon kann aber schon deshalb nicht ernsthaft die Rede sein, weil bei allen die Ablehnung aller anderen Religionen und Konfessionen zum unverzichtbaren Grund­bestand ihres Hasses gehört. Erzpriester Tschaplin ver­teufelt denn auch besonders eifrig die USA sowie „den Westen“, der mit seinen falschen Werten die Welt immer tiefer in die Gottlosigkeit treibe. Doch nicht mehr lange. Gott habe Russland dazu auserwählt, die Weltgeschichte radikal herum­zureißen, und dazu bedürfe es jetzt dringend einer umfassenden „Reinigung“. Eine „allzu lange Friedenszeit“ gehe bald zu Ende. Es klingt unfassbar, doch der christliche Geistliche wird mit Aussagen zitiert wie: „Besser sollte es Krieg geben“ und „Gott sei Dank ist die Zeit des Friedens bald vorüber!“

Mit seiner Demagogie gilt Erzpriester Tschaplin nicht etwa als ein Irrlicht am Rande der Kirche oder der Gesellschaft. Er leitet die öffentlichkeits­wirksame Abteilung für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft des Moskauer Patriarchats und verbreitet seine Schwarze Theologie offenbar ungehindert. Kein Geistlicher sei in russischen TV-Sendungen, Radio-Shows oder Zeitungsinterviews ähnlich präsent, behauptet Spiegel Online in einem Beitrag unter dem Titel „Putins Gotteskrieger“. Und: „Sein Wort hat Gewicht, auch im Kreml“ (30.7.2015).

Das könnte zum Kontext einer Meldung zum Krieg in der Ostukraine passen, die die Süddeutsche Zeitung am 26.2.2015 druckte. Illustriert war der Bericht mit einem Bild, das man andernfalls geneigt wäre, für eine geschmacklose Fotomontage zu halten. Separatisten posieren mit ihren automatischen Waffen auf einem Panzer, auf dem sie als Fahne die Darstellung einer Christus-Ikone aufgezogen haben!

Damit schließt sich der Kreis unserer Rundumschau des religiös verbrämten Wahnsinns. Der „Islamische Staat“ inszeniert seinen Gewaltkult regelmäßig vor einer schwarzen Fahne, auf der das islamische Glaubensbekenntnis steht. Möchte man dessen unaussprechliche Barbarei den doch viel zivilisierteren Waffen entge­gen­­halten, mit denen im Osten Europas Menschen getötet werden? Nun, selbst das Köpfeabschneiden ist kein Alleinstellungs­merkmal sog. „islamistischer“ Terroristen. Im Südsudan – einem christlichen Land, das sich vor genau vier Jahren nach jahrzehntelangem, leidvollem Kampf er­folgreich vom muslimischen Norden losge­löst hat, tobt ein Krieg, den Beobachter als noch grauenvoller beschreiben als das, was im Irak und in Syrien geschieht – soweit das überhaupt noch vorstellbar sein kann. Die Süddeutsche Zeitung berichtet zum Jahrestag der Staatsgründung unter dem Titel „Versunken in unaussprechlicher Gewalt“ (5.7.2015) von Vorgängen, die in erster Linie Kinder betreffen, und die ich hier nicht mehr wiedergeben möchte … Eine der an den Massakern beteiligten Kampftruppen ist die aus Uganda operie­rende „Lord’s Resistance Army“, die „Widerstandsarmee des Herrn“, die seit langem für einen „christlichen Gottes­staat“ kämpft. Berichtet wird darüber nur wenig.

Bei all diesen Analogien lässt unser Befund doch einen Unterschied erkennen. Nämlich den, dass – so sieht es aus – nur Muslime einhellig und umfassend den Irrsinn aus eigenen Reihen verurteilen. „Da höre ich zu wenig“, mahnte dennoch Kardinal Marx an Mariä Himmelfahrt 2014 von einer Predigt im Münchner Dom aus die Muslime, sich von Gewalt im Namen Gottes zu distanzieren. Würden wir aber von Bischöfen, ja von den Pfarrern und Priestern in München erwarten, dass sie sich klar und unmissverständlich distanzieren von den Aussagen und den Taten offensichtlich irrsinniger Christen irgendwo auf der Welt? Würden wir von jüdischen Rabbinern und Gemeinden in Deutschland erwarten, dass sie uns erklären, warum der Terror radikaler Juden nicht mit dem Judentum an sich verwechselt werden darf?

Ich meine nicht, dass wir das erwarten sollten. Ich meine, dass wir ganz normale Gläubige jedweder Religion stigmatisieren und beleidigen, wenn wir ihnen a priori unterstellen, dass sie Hass, Gewalt und Terror billigten, solange sie nicht immer wieder öffentlich das Gegenteil kundtun.

[1] Von den drei Bezeichnungen ist nur die erste im Sprachgebrauch üblich. Die hier bewusst gewählten Parallelen mögen aufzeigen, dass die erste Bezeichnung nicht weniger unangebracht ist als die anderen beiden, oder die anderen nicht weniger angebracht wären als die eine.

(aus ABRAHAMS POST 27/2015)

Stellen Sie sich vor, Sie wären Muslim/a ...
Gedanken zu einem ganz normalen Tag

Stellen Sie sich vor, Sie wären Muslim/a! Wie würden Sie dann einen ganz normalen Tag wie heute, Dienstag den 16. Dezember 2014, erleben? Fassungslos und wütend wären Sie gerade dabei zu verdauen, dass schon wieder ein Verrückter, der sich Muslim nennt, zugeschlagen hat und am anderen Ende der Welt Menschen mit der Waffe zwingt, Ihr Glaubens­bekenntnis an ein Fenster zu halten und dann auf sie schießt. Während Sie, wie so oft in diesem Jahr, in jedem Monat, Woche für Woche mit solchen Gedanken beschäftigt sind, kommt die Meldung, dass Taliban in Pakistan eine Schule überfallen und über hundert Kinder ermordet haben sollen. Bei der bloßen Vorstellung wird jedem Menschen schwarz vor Augen. Hätten Sie noch Kraft, das genauer wissen zu wollen?

Währenddessen sind soeben 15.000 Deutsche aufmarschiert, weil wohl­gemerkt weder der Irre aus Australien, noch die terroristischen Taliban, auch nicht der Wahnsinnsstaat im Irak und Syrien, sondern Sie – als in Deutschland lebende/r Muslim/a – angeblich dabei sind, ein „Abendland zu islamisieren“…

Damit noch nicht genug für heute. Denn von Ihren Politikern in Deutschland bekommen Sie gesagt, dass man solche Ängste ernst nehmen muss.

Ernst nehmen! Wie schön wäre es, in der Tat, wenn diese Ihre Politiker ernst nähmen, wie Sie als Muslim/a in Deutschland sich für diese Gesellschaft, für diesen Staat und seine Wirtschaft, für Ethik und Recht stark machen? Wenn Sie diejenigen viel mehr unterstützen würden, die ernsthaft an den Problemen arbeiten, anstatt Ängste zu äußern, die andere in Wut versetzen, die die nächsten in Hass umsetzen und die übernächsten mit Gewalt austragen.

Ernst nehmen! Was wäre, wenn diese Ihre Politiker diejenigen wirklich ernst nähmen, die tagtäglich ihre Energien für wirksame Integration einsetzen, ob Muslime oder nicht, wenn die vielen konstruktiven, positiven, erfolgreichen Initiativen, die es überall gibt, die sich aber um Mittel und Kapazitäten und allein schon: um Wahrnehmung abstrampeln müssen, von der Politik mit aller Kraft unterstützt und gefördert würden, in jeder Stellungnahme an erster Stelle stünden und dadurch viel, viel mehr ins Bewusstsein der gesamten Gesellschaft gerückt würden?

Als Ihre Münchner Imame vor einigen Wochen eine gemeinsame Erklärung gegen den Irrsinn sogenannter „Islamisten“ vorgestellt haben, die an Ausführlichkeit, Deutlichkeit und Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig lässt – wo war da Ihr Bayerischer Innenminister? Was hat er dazu gesagt? Wie oft hat Ihr Ministerpräsident bisher davon gesprochen? Hat der Bayerische Landtag die Imame eingeladen, um ihren Aufruf überall bekannt zu machen? Welche Würdigung hat sich Ihr Land oder wenigstens Ihre Stadt dafür überlegt?

Es ist ja nicht so, dass Sie als Muslim/a Ängste nicht verstünden. In einem Land, dessen schrecklichster Terroranschlag schon vor 34 Jahren von Rechts kam, in dem trotzdem die Sicherheitsbehörden konsequent alle Augen ver­schlossen haben, als Muslime Opfer von rechten Terroristen wurden und in dem immer wieder Muslime, also Sie, als fremd und gefährlich angesehen werden.

Ist das die Schuld der Medien, deren Aufgabe es ja ist, uns alle über Schreckens­­meldungen aus aller Welt auf dem Laufenden zu halten? Zu den Grundsätzen aller seriösen Medien gehört die Ausgewogenheit. Sie als Muslim/a wüssten, was ausgewogen hieße: Wenn vor und nach jeder Meldung über „islamistische“ Gewalt tausend Meldungen über normale Muslime in den Medien erschienen – das wäre ausgewogen. Natürlich, so viel Platz ist in keiner Zeitung und in keiner Nachrichtensendung. Auch nicht für hundert Meldungen über normale Muslime. Vielleicht für zehn? Das wäre noch lange nicht ausgewogen, und zehn Ereignisse, Initiativen, Stellung­nahmen würden sich, wie Sie wissen, leicht finden lassen. Aber – warum erscheint nicht konsequent pro Terrormeldung je 1 positive Meldung über Muslime und Islam in den Medien? Warum?

Wenn Sie Muslim/a wären, würden Sie dann heute, an einem ganz normalen Tag, vielleicht verzweifeln, sich abschotten und in eine Parallelwelt flüchten? Oder würden Sie, vielleicht aus dem Gebet oder der meditativen Koran­rezitation, die Kraft schöpfen, die Sie brauchen, um heute weiter zu machen, das Gute zu tun und das Ihre zur gemeinsamen Zukunft in diesem Land beizutragen? Gott weiß, was der morgige Tag bringt.

(aus ABRAHAMS POST 26/2015)